Kommentar: Unsere Gesellschaft braucht professionelle Betreuer

Der Beruf des Betreuers gewinnt in unserer Gesellschaft, die einen immer höheren Altersdurchschnitt aufweist, an Bedeutung. Denn immer mehr Menschen sind nicht mehr in der Lage, selbstbestimmt zu leben. Von Christoph Zöllner

Die Zahl hat sich in Deutschland innerhalb der vergangenen 20 Jahre fast verdoppelt, auf aktuell 1,4 Millionen. Sie brauchen Hilfe, müssen sich auch auf fremden Beistand verlassen können, wenn keine Familienangehörigen dazu bereit oder in der Lage sind. Umso wichtiger ist es, dass die Strukturen des Betreuungsberufes noch professioneller gestaltet werden.

Der Bundesverband der Berufsbetreuer (BdB) tritt seit Jahren für eine geregelte Zulassung zum Beruf ein, für eine bundesweit verbindliche Ausbildung sowie für klar definierte Qualitätsstandards, die für alle bindend sind. Auch die Forderung des Verbandes nach einer ordentlichen Vergütung, die der Verantwortung gerecht wird, ist nachvollziehbar. Sonst könnten noch mehr schwarze Schafe, um auf ihre Kosten zu kommen, auf qualitätsmindernde Ideen setzen und zu viele Klienten aufnehmen. Oder gar darauf bauen, dass Betroffene sie in ihrem Testament bedenken, was bedauerlicherweise gesetzlich (noch) nicht untersagt ist. Eine freiwillige Selbstverpflichtung der Verbandsmitglieder ist zwar löblich, reicht aber offenbar nicht aus, zumal nicht alle gesetzlichen Betreuer organisiert sind.

Wenn es Politikern und Verbänden in Zukunft gelänge, durch geeignete Regeln die Qualität nachhaltig zu fördern und Missbrauch weiter einzudämmen, wäre dies nicht nur dem Berufsstand förderlich. Es könnte das Vertrauen von Millionen Bundesbürgern stärken und die Angst davor mindern, von einem Fremden kontrolliert zu werden. Unsere Gesellschaft braucht professionelle Betreuer, die sich mit Bedacht dem Beistand hilfloser Menschen widmen. Für schwarze Schafe darf in dieser Branche kein Platz sein.

Rubriklistenbild: © dpa

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