Unwort des Jahres

Kommentar: Das „Basta“ der Kanzlerin

„Schatz, ich denke, es ist alternativlos, dass du den Müll runterbringst.“ Sagen Sie das mal zu ihrem Liebsten. Und ermahnen sie mal die pubertierende Brut: „Hausaufgaben machen ist alternativlos.“ Von Ralf Enders

Oder versuchen Sie, Ihre Meinung mit einem deftigen Schlag auf den Tisch zu unterstreichen und dabei zu sagen: „alternativlos“. Ziemlich schlapp, oder?

Womit wir bei Kanzlerin Angela Merkel wären. Sie war‘s, die das Unwort des Jahres 2010 erstmals gebrauchte. Nachahmer folgten. Ob Griechenland-Hilfe, Gesundheitsreform, Frankfurter Flughafenausbau oder Stuttgart 21 - „alternativlos“ steht für „Etwas anderes fällt uns halt nicht ein“ und die damit verbundene mangelnde Diskussionsbereitschaft der politischen Klasse.

Und für ihre Farblosigkeit. Denn wo Gerd „Acker“ Schröder lästige Debatten noch mit einem erfreulich unprätentiösen „Basta“ beendete, kommen die blutleeren Volksvertreter heute mit dem saft- und kraftlosen „alternativlos“ daher. Technokratisch, bürokratisch, unsympathisch. Insofern haben wir neben den Politikern, die wir verdienen, auch das Unwort, das wir verdienen.

Was anderes bleibt uns ja auch gar nicht übrig.

Rubriklistenbild: © op-online.de

Kommentare