Kommentar: Weitreichende Wirkung

Junge Menschen bekommen mehr Zeit zur Berufsfindung: Der Bundesgerichtshof nimmt ihnen mit dem gestern verkündeten Urteil den Druck, gleich nach der Schule einen Ausbildungs- oder Studienplatz finden zu müssen. Von Peter Schulte-Holtey

Denn zahlen müssen die Eltern auch dann für eine Ausbildung, wenn zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn drei Jahre liegen, in denen das Kind den Lebensunterhalt selbst bestritten und wegen schlechter Schulnoten Berufspraktika absolviert hat.

Das Urteil hat weitreichende Wirkung. Denn eine große Zahl von Mädchen und Jungen startet nach dem Schulabschluss nicht sofort mit einer Berufsausbildung oder einem Studium durch. Teils, weil sie sich noch Zeit lassen, orientieren oder andere Erfahrungen sammeln wollen; teils aber auch, weil sie schlicht nicht untergekommen sind: Über 260 000 Jugendliche hingen 2012 nach Angaben der Gewerkschaften nach der Schule in einer „Warteschleife“ und hielten sich zum Beispiel mit Praktika über Wasser.

Doch Vorsicht, das Urteil sollte nicht missverstanden werden! Junge Menschen können sich jetzt nicht gemütlich zurücklehnen. Weiterhin gilt, dass Eltern keinen Ausbildungsunterhalt mehr zahlen müssen, wenn ihre Sprösslinge sich - zum Beispiel an der Universität - zu viel Zeit lassen.

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