Steuerzahlerbund zu Stadion-Desaster

Kommentar: Mit Land am Schandpfahl

Es ist Wasser auf die Mühlen derjenigen, die sich mit Hinweis auf dringendere Probleme gegen den Bau eines neuen Stadions in Offenbach gesperrt haben. Von Thomas Kirstein

Es gießt Öl ins Feuer derjenigen, die in der Fußballstätte auf dem Bieberer Berg ein Symbol für eine der Pleitekommune nicht angemessene Großmannssucht erkennen. Es bestätigt also alle, die sich der Argumentation verschlossen haben, es bestehe eine Art lebensnotwendige Symbiose zwischen Stadt und ihrem Profi-Kickverein, die nur durch den Bau einer neuen Sportstätte erhalten werden könne.

Das medienwirksame Urteil des Bundes der Steuerzahler schmerzt zweifelsfrei wie eine Ohrfeige. Durch Aufnahme ins jährliche „Schwarzbuch“ an den Steuerverschwender-Schandpfahl gestellt zu werden, bleibt als Makel hängen. Allein aus der gegenwärtigen Situation betrachtet, fliegen die Fakten den Offenbacher Verantwortlichen wie faule Eier um die Ohren: ein 25-Millionen-Euro-Stadion für einen Regionalligaverein mit dank insolventer Profi-GmbH geringsten Aufstiegschancen, ein Stadtkonzern, der sich nach dramatischen Einnahmeverzicht noch auf zweistellige Vermögensverluste einstellen muss.

Fall passt nicht ganz ins Raster

Und doch passt der Offenbacher Fall nicht ganz ins Raster der bundesweit angeprangerten Verschwendung. Denn es hätte ja durchaus klappen können, was sich die Befürworter ausmalten, wenn sich sportliches und betriebswirtschaftliches Versagen nicht auf Vereinsseite gebündelt hätten.

Fest steht weiterhin: Ohne die Entscheidung für den Stadionneubau hätte Offenbach seinen wichtigen Imagefaktor Profifußball freiwillig aufgegeben. Aber schon das so nicht einkalkulierte sportliche Debakel des kläglich vergeigten Aufstiegs hat die optimistische Kalkulation wie ein Kartenhaus zusammenbrechen lassen; dahinter taten sich ungeahnte, vorher verschleierte Schuldenberge der Profi-GmbH auf.

Angemessene Nutzung über Fußball hinaus

Die Ohrfeige des Steuerzahlerbundes, dessen hessischer Filiale ein mit hiesigen Details vertrauter Offenbacher Freidemokrat als Präsident vorsteht, müssen die Offenbacher freilich nicht alleine einstecken. Denn was die hauptsächlich von Unternehmern und Freiberuflern getragenen Steuer-Mahner als im Stadion versenkte Steuer-Millionen erkennen, hat zum größten Teil das Land Hessen sehr bereitwillig überwiesen.

Also wird man sich in Wiesbaden mit jenen Offenbachern verschwistern können, die trotz des offenkundigen Desasters noch Positives erkennen wollen: Immerhin haben wir ein Stadion, das allen Anforderungen und Vorgaben gerecht wird und die gegenwärtigen Verluste erträglicher machen kann, wenn sich angemessene Nutzungen über den Regionalligafußball hinaus finden lassen.

thomas.kirstein@op-online.de

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