DIe USA und Syrien

Kommentar: Zwänge des Wahlkampfes

Dass Assad nur sehr selten von Skrupeln geplagt wird, hat der Syrer während der vergangenen Monate immer wieder bewiesen. Er lässt töten, weil er glaubt, dadurch seine Macht und seinen Alawiten-Clan retten zu können.

Ob er auch dazu fähig wäre, Giftgas gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen, ist dennoch zweifelhaft. Allein schon mit Blick auf eine nur noch schwer mögliche räumliche Trennung der Regierungstruppen von den Aufständischen.

Zwei Punkte sollten in der unmenschlichen Diskussion über Kampfstoffe und Militärschläge nicht außer Acht gelassen werden: Es wäre nicht das erste Mal, dass mit (zunächst unbewiesenen) Giftgas-Argumenten ein Krieg begonnen wird. Und: In den USA herrscht Wahlkampf. Präsident Obama will das Weiße Haus verteidigen. Das aber wird er nur schaffen, wenn er Stärke demonstriert. Und dazu gehört auch das Drohen mit Waffen. Und noch etwas: Es geht im Nahen Osten nicht nur um Syrien und den Iran, sondern auch um den Libanon, die Türkei, Jordanien – und um Israel. Sie alle würden unweigerlich in einen dann internationalen Krieg verstrickt.

Obama hat gegenüber Assad eine rote Linie gezogen. Aber hat auch gesagt, dass die Giftstoffe „nicht in die falschen Hände“ fallen dürfen. Das schließt Terroristen und Rebellen ein. Er hat gedroht, und das musste er. Bei einer Militäraktion im Alleingang aber hätte er indirekt die Russen sowie unzählige Muslime und Syriens Bevölkerung gegen sich. Auch dieser Krieg wäre nicht zu gewinnen.

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