Im glanzlosen Alltag

Kommentar zur Väter-Studie

Wir entwickeln uns ja längst zu einer Gesellschaft, die quasi rund um die Uhr aktiv ist. Eine Gesellschaft, die nicht mehr warten kann, die keine Pausen mehr kennt, die auch irgendwann keinen Sonntag mehr kennt, unter anderem weil sich die Ladenöffnungszeiten ändern. Von Peter Schulte-Holtey

Auch Familien leiden unter der Beschleunigung, weil Familienleben Zeit braucht. Und es sind längst nicht mehr nur die Frauen, die die Hetze zu spüren bekommen. Die neue Väterstudie zeigt: So wie die Mütter jeden Tag die Herausforderungen in Job, Familie und Partnerschaft meistern müssen, wird dies nun auch zunehmend von Männern verlangt.

Väter übernehmen mehr Verantwortung, bekommen mehr Einblicke in den Familienalltag. Das ist gut so. Altkanzler Gerhard Schröder fand Familienpolitik noch „Gedöns“; doch neue Rollenbilder (nicht zuletzt geprägt von Politikerinnen wie Ursula von der Leyen) holen das Familienleben nach und nach aus der „Mutti-Ecke“ heraus. Der neue Mann ist der, der vom alten Mann als Warmduscher und Schattenparker beschimpft wurde: partnerschaftlich eingestellt.

Beim Jubel über das neue Männerbild sollte jetzt aber nicht übertrieben werden. So belegen viele Studien, dass Arbeit für Männer noch immer die primäre Quelle von Selbstbestätigung und Selbstverwirklichung ist. Weit verbreitet ist unverändert die traditionelle Vorstellung von Männern, die Karriere machen und Leitungspositionen bekleiden, stets anwesend sind und nicht die Besprechung schon vorzeitig verlassen, weil sie ihren Sohn von der Kita abholen müssen. Der Wandel hat erst begonnen.

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