Kommentar zu Verkäuferinnen in die Kitas

Kommentar: Erzieherin kann nicht jede

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Unser Nachwuchs ist uns etwas wert. Gute Betreuung und Ausbildung der nachwachsenden Generation sind die Pfunde, mit denen Deutschland im internationalen Wettbewerb wuchern kann, nein: muss. Von Frank Pröse

Doch obwohl dieses Wissen Allgemeingut ist, geht diese Gesellschaft äußerst schlampig mit ihren Kindern um. Lassen wir die staatlicherseits recht dürftige Ganztagsschulen-Bilanz mal außer Acht und widmen uns der in diesen Tagen in die Schlagzeilen geratenen Betreuung unserer Jüngsten, dann spielt Kindererziehung längst nicht die überragende Rolle für den Staat, die dieser immer vorgibt. Was nutzen die in den Kita-Ausbau gepumpten Milliarden, wenn Erzieherinnen zu Abertausenden fehlen und angesichts dieses Mangels vielfach mit Hilfspersonal gearbeitet werden muss?.

Welchen Wert misst eine Gesellschaft dieser wichtigen Aufgabe bei, die meint, jede Hausfrau im Schnellverfahren für den Erzieherinnenberuf umschulen zu können? Pampers wechseln und den Bollerwagen ziehen kann ja jeder, oder? Diese Einstellung muss weit verbreitet sein, sonst würden ausgebildete Erzieherinnen in diesem Land nicht mit 1000 Euro brutto pro Monat abgespeist und würden nicht immer mehr Leiharbeiter in Kitas eingesetzt. Wie praktisch: So lassen sich personelle Lücken auffüllen und zugleich Lohnkosten sparen.

Gemessen an ihrer hohen Qualifikation und Verantwortung werden pädagogische Fachkräfte schon in regulären Arbeitsverhältnissen nicht angemessen entlohnt. Daran können sie sich übrigens schon während der Ausbildung gewöhnen, während deren Praxisphase in der Kita sie gar nicht entlohnt werden. Warum das denn? Lehrlinge in anderen Berufen werden doch auch entlohnt.

Auch der jüngste Plan von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen dürfte kaum zu einer besseren Bezahlung von Erziehern führen. Sie setzt auf die Umschulung von Arbeitslosen - zum Beispiel von den Tausenden jetzt arbeitslosen Schlecker-Mitarbeiterinnen. Auch dieser Vorschlag suggeriert, dass der Erzieherberuf leicht zu erlernen und nahezu von jedem und in jedem Alter zu ergreifen ist. Es ist ja auch Standard, im größten Krach Geduld und Ruhe zu bewahren, über mehrere Stunden Ideen zur Beschäftigung der Kinder zu entwickeln, Streit mit Augenmaß zu schlichten und auf Sprache, Sozialverhalten und physische wie psychische Besonderheiten zu achten. Und dazu müssen Erzieher in der Regel in der Lage sein, hysterische, hyperventilierende und teils unverschämt auftretende Eltern in die Schranken zu weisen. Dieser Job kann gar nicht gut genug bezahlt werden. Dann finden sich auch die Fachkräfte. Zur Aushilfe taugt er jedenfalls nicht.

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