Vertrauen ist dahin

Kommentar zum Skandal um Abgaswerte bei VW

Der Zeitpunkt hätte kaum schlechter sein können: Die Autobranche buhlt auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt um die Gunst potenzieller Käufer, da schlägt die Bombe ein. Unumwunden gibt VW die Manipulation von Abgastests in den USA zu. Von Marc Kuhn

Damit ist die Glaubwürdigkeit der Wolfsburger dahin - das wichtigste Gut eines Unternehmens. Umweltauflagen auszuhebeln, ist kein Kavaliersdelikt. Und die amerikanischen Behörden sind bekannt dafür, mit ausländischen Firmen besonders hart ins Gericht zu gehen. Die milliardenschweren Bußgelder, die Volkswagen drohen, werden die Bilanz bald massiv belasten. Das wird indes das kleinste Problem des Konzerns in den nächsten Monaten sein.

Schließlich fährt VW der Konkurrenz in den USA schon seit Jahren hinterher - auf dem nach China immerhin zweitgrößten Pkw-Markt der Welt. Für die Schwierigkeiten auf dem Kontinent wird Firmenlenker Martin Winterkorn seit langem kritisiert. Das sollte sich nun ändern. Insbesondere mit Dieselaggregaten als Alternative zu den von Amerikanern bevorzugten Benzinern wollten die Deutschen punkten. Sie dürften künftig einen weiten Bogen um die Autos von VW machen. Es droht eine nachhaltige Vertrauenskrise. Von ihr dürften nicht nur die Wolfsburger betroffen sein. Der Argwohn wird auch anderen Autokonzernen aus Deutschland und Europa entgegenschlagen. Für den Schaden, den VW angerichtet hat, wird die ganze Branche in Kollektivhaftung genommen. Ihre Angaben zu Fahrzeugen dürften ebenfalls in Frage gestellt werden. Es wird Jahre dauern, bis die Autobauer wieder Boden gutmachen können.

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Die drohenden Probleme in den USA wiegen nicht zuletzt deshalb so schwer, weil der Autoabsatz in den gesättigten europäischen Märkten lahmt. Zudem zeichnen sich seit Wochen enorme Herausforderungen in China ab. Die Branche muss sich auf magere Zeiten einstellen. Für Winterkorn kommt die Affäre zur Unzeit. Gerade erst hatte sich der Konzernboss vom Schlagabtausch mit dem zurückgetretenen VW-Patriarchen Ferdinand Piëch erholt. Nun steht der VW-Chef unter Verdacht, von den Manipulationen gewusst oder seinen Laden nicht im Griff zu haben. Die Luft für ihn wird dünn. Er muss die Verantwortung übernehmen.

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Rubriklistenbild: © dpa

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