Kommentar: Zu Lasten des Volkes

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Tibor Pézsa

Der bayerische SPD-Spitzenkandidat Christian Ude hat Recht: Die Spezl-Affäre ist mehr als nur das Problem einzelner Politiker und Minister, sie ist eine Kabinettskrise.

Und: Diese Krise ist eine Parlamentskrise und eine Krise der politischen Kultur in Deutschland insgesamt.

Auch wenn das Zentrum der organisierten Verwandten-Versorgung in der CSU zu liegen scheint, so wurde doch der Steuerzahler in Amigo-Land fleißig von Mandatsträgern fast jeder Partei zur familiären Selbstversorgung missbraucht - außer von den Liberalen.

Man darf spekulieren, ob dieses Detail eher auf einen Mangel an Gelegenheiten zurückzuführen ist oder auf ein normales Maß an Moral.

Der alte Fritz war kein Bayer, er war Preuße. Friedrichs Beamte waren für den Staat da, nicht umgekehrt. Dieses Ideal gilt bis heute auch für Abgeordnete in unserer repräsentativen Demokratie - und vollends für Minister, was auf Deutsch Diener heißt.

Zu Friedrichs Zeiten hätte eine solch unverschämte Selbstversorgung auf Kosten der Gemeinschaft wie in Bayern dazu geführt, dass das Volk mit Sensen und Dreschflegeln vorm Schloss erschienen wäre. Allerhöchste Zeit für radikale Reformen.

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