Absurdes Theater

Kommentar: Wahlkampf in den USA

Noch wenige Tage, dann soll es im bislang durch und durch ernüchternden US-Wahlkampf den ersten Höhepunkt geben: Vorwahlen von Republikanern und Demokraten. Bei den einen herrscht dank Donald Trump der Wahnsinn, bei den anderen Ernüchterung. Von Mike Schier 

Hillary Clinton wirkt nur noch wie eine erschöpfte Frau, der es darum geht, den durchchoreografierten Lebensplan abzurunden. Sie mobilisiert maximalen Widerstand, bietet aber weder Ideen noch Visionen. Plötzlich scheint sogar der 74-jährige linke Außenseiter Bernie Sanders Chancen zu haben. Die Entwicklung muss die Welt besorgen. Sie ist Ausdruck der tiefen Verzweiflung der Amerikaner über ihr politisches System. Gespeist aus einer aufgeregten Medienlandschaft hat sich der Hass auf die Elite in Washington weit über die Tea Party hinaus verbreitet. Man weiß schon jetzt: Sollte sich Hillary die Kandidatur sichern, dürfte der Sommer von Bills sexuellen Eskapaden und üppigen Rednerhonoraren dominiert werden. Für das Pulverfass im Nahen Osten oder den rasant wachsenden Kontrahenten in China wird kaum Platz bleiben.

Nur so erklärt sich, dass ein Mann wie Michael Bloomberg erwägt, eine Milliarde seines Kleingelds in einen Wahlkampf zu investieren, obwohl noch nie ein Unabhängiger gewonnen hat. Man mag es den Amerikanern wünschen. Bloomberg ist zwar mit 73 ebenfalls kein Nachwuchskandidat, wie Trump (und inzwischen auch Clinton) schwerreich und aus dem verhassten New York. Aber seine Stimme der Vernunft könnte dieser zum absurden Theater mutierende Wahlkampf dringend gebrauchen.

Nach Schneesturm: Leben in Washington normalisiert sich

Rubriklistenbild: © AFP

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