Die amerikanische Krise

Kommentar: Bis es wieder knallt

US-Präsident Barack Obama kann reden, wie er will - er ist und bleibt auf das Entgegenkommen der Republikaner angewiesen. Beide Seiten wissen, dass es für die Lösung ihrer Probleme nur zwei Wege gibt. Von Tibor Pézsa

Die Kosten des Staates zu Lasten Armer zu senken, wie es im Kern die Republikaner wollen, oder die Einnahmen zu Lasten Reicher zu erhöhen, wie es Obama will. Es ist ein Machtkampf. Und weil die USA immer noch die führende Volkswirtschaft in unserer globalisierten Welt sind, sind alle Staaten mehr oder weniger Geiseln dieses Konflikts.

Wenn Obamas Demokraten und die Republikaner sich nicht einigen, dann sind die USA nicht zahlungsunfähig, weil sie nicht zahlen könnten, sondern weil sie laut Gesetz nicht mehr Schulden aufnehmen dürfen. Trotz hoher Schulden, geringer Sparquote und Abhängigkeit von China wären die USA mit ihrer Wirtschaftskraft aber in der Lage, ihre Krise zu meistern.

Nun machen auch die Amerikaner jene Erfahrung, die in Europa gern als Griechen-Krise verharmlost wird: Schulden müssen mit Zins und Zinseszins zurückgezahlt werden. Gegenüber dieser Wahrheit, die im privaten Leben ernster genommen wird als in der Politik, ist die Frage, wer an dieser Krise verdient, nachrangig: Es sind Banken, Spekulanten und Anleger weltweit. Einiges deutet darauf hin, dass die Amerikaner das Problem nur verschieben werden: Kleine Einsparungen im Gegenzug für die Zustimmung der Republikaner zu höheren Schulden. Bis es wieder knallt.

Für uns Deutsche kann die Lehre aus diesem Spektakel nur lauten: Raus aus den Schulden, so schnell wie möglich.

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