Kämpferische EU

Kommentar: Es wird eng für Putin

Wladimir Putin wird sich wundern. So entschlossen wie jetzt war die EU noch nie.Von Detlef Drewes

In der Vergangenheit reichte es nicht selten schon, wenn Russlands Herrscher mit Gegenmaßnahmen drohten. Doch dieses Mal haben die EU-Spitzen die Reihen geschlossen. Sogar jene Länder, die mit ihrer Energieversorgung vollständig auf Moskau angewiesen sind, wurden beruhigt und auf Linie gebracht. Keine Frage: Putin hat seinen Gegner unterschätzt. Zumal der Westen auch nicht willens ist, sich militärischer Instrumente zu bedienen.

Das macht es für Putin schwer. Denn er sollte langsam verstehen, dass die Spirale der Sanktionen in Gang gesetzt wurde und nun fast schon automatisch abläuft. Er ist es, der die Eskalation stoppen kann, die ihm schaden wird - egal welche Gegenmaßnahmen der Kreml-Herrscher ergreift. Natürlich wirken Reiseverbote wenig abschreckend. Aber schon die Kontensperrungen tun weh. Sie treffen Putins Gefolgsleute, die dem Präsidenten für diese Konsequenzen ihrer Loyalität sicher nicht dankbar sein werden. Das sollte der russische Präsident wissen. Es geht ab Montag nicht mehr nur um die Krim, sondern auch um seine Position.

Dabei bleibt sich die EU - zumindest bisher - treu. Indem sie auf Säbelrasseln verzichtet und ihre Linie der Diplomatie sogar dann weiter verfolgt, wenn sie aussichtslos erscheint, macht sie klar, wo der Aggressor sitzt. Es ist der Mann, der ein ums andere Mal ausgestreckte Hände ausschlägt. So entlarvt sich Putin selbst. Übrigens auch vor denen, die er als potenzielle Verbündete im Auge hatte. Die Distanzierung Pekings spricht Bände.

Das ist zweifellos die Stunde derer, die Moskau einen Weg eröffnen können, um ohne Gesichtsverlust aus der Sache herauszukommen. Der Plan des früheren amerikanischen Außenministers Henry Kissinger, die Krim-Frage durch mehr Autonomie für die ukrainischen Landesteile zu lösen, gehört ebenso dazu wie die verschiedenen Aktionen der deutschen Kanzlerin, die Putin kennt wie kein anderer EU-Regierungschef. Schlägt er auch deren Angebote zur Entschärfung aus, muss er sich auf eine kämpferische EU gefasst machen.

Rubriklistenbild: © Michael Hof

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