Ungesagtes ist wahrhafter

Kommentar zu Putins Sicht auf die Welt

Es ist beruhigend zu wissen, dass sich die freie Welt nicht alles von Wladimir Putin gefallen lässt. So saß dieser denn beim G-20-Gipfel plötzlich alleine, weil niemand aus der Runde der politischen Alphatiere dieses Planeten neben ihm Platz nehmen wollte.

Ja, es ist nur Symbolik, sie hilft weder den darbenden Menschen in der Ukraine, noch der russischen Bevölkerung, der es wegen der Sanktionen des Westens auch immer schlechter geht. Aber mit dieser in der Schule erprobten Ausgrenzung hat der Klassenverband dem russischen Präsidenten deutlich gezeigt, dass er seine Gesprächs-partner nicht ständig für dumm verkaufen kann.

In dieser Hinsicht hat Putin die Intelligenz der westlichen Welt freilich schon mehrfach beleidigt. Tarnen, Tricksen, Täuschen gehört wie selbstverständlich zum Repertoire des starken Manns in Moskau. Es wird geleugnet, was offensichtlich ist, es werden historische Zusammenhänge hergestellt, wie sie ins Putin´sche Weltbild passen. Bei Günter Jauch erhält der russische Präsident eine halbe Stunde Gelegenheit, seine Sicht der Dinge darzustellen. Wenig überraschend: Nachfragen sind nicht erwünscht. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf, weil Putin in bekannter Manier eben Fakten verdreht, Abkommen uminterpretiert oder ignoriert, mit Selbstbestimmungsrechten im Kosovo, auf der Krim und in der Ukraine einen unappetitlichen Cocktail mixt und mit einem Kurzvortrag über Demokratie als „Recht des Volkes“ - das Recht auf Selbstbestimmung einen weiteren Brechreiz provoziert. Auch hier ist das Ungesagte das eigentlich Interessante: So wurden separatistische Bestrebungen in Russland gerade unter Strafe gestellt.

Putin darf die Realität verdrehen, ohne dass ihm einer ins Wort fällt. Es ist schon dreist, in staatsmännischem Duktus einen solchen Blödsinn zu erzählen und darauf zu setzen, ernst genommen zu werden. Da werden Vier-Augen-Gespräche zur Tortur. An Angela Merkels Reaktion lässt sich die Dimension ihres Leidens ablesen.

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