Das geht einem auf den Zeiger

Kommentar zur Zeitumstellung

73 Prozent der Menschen in Deutschland halten we- . nig bis gar nichts von der Zeitumstellung - neben der Winter-WM in Katar und dem deutschen Rundfunkbeitrag dürfte es kaum Zwangsmaßnahmen geben, die genauso unbeliebt und zweifelhaft sind. Von Ralf Enders

Mit Recht, denn das überflüssige Drehen an diversen Uhren zweimal im Jahr geht einem auf den Zeiger. Dem Partygänger wird es noch egal sein, ob er um 6 oder um 7 Uhr aus dem Club stolpert. Wessen Tagesablauf dagegen von geregelter Erwerbsarbeit oder Kindern oder beidem bestimmt ist, den kann das Kasperletheater schon nerven.

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Es bringt ja auch nichts. Die Energieeinsparung - wichtigstes Argument bei Wiedereinführung der Sommerzeit 1980 - findet nicht statt. Zwar bleibt das Licht im Sommer abends tatsächlich aus, dafür heizen die Menschen in Frühjahr und Herbst morgens mehr. Und: Tageslicht bringt unseren Körper morgens in Schwung. Fehlt dieser Schlag mit dem Lichtschwert, steht der Organismus auf der dunklen Seite der Macht; er bleibt schlapp und müde. Sensible Menschen, der Umfrage zufolge immerhin mehr als ein Viertel, klagen über gesundheitliche Probleme - und werden von Medizinern bestätigt.

Warum es dagegen bis 23 Uhr hell sein muss, erschließt sich nicht. Feiern und trinken jedenfalls lässt es sich auch im Dunkeln. Das vielleicht gewichtigste Argument gegen die Zeitumstellung aber ist der Volkssport des Rätselratens auch nach 35 Jahren: vor oder zurück? Länger hell oder früher dunkel? Länger schlafen oder früher aufstehen? Zweimal im Jahr die gleichen Fragen, die eigentlich einfach zu beantworten sind und doch signalisieren: Die Zeitumstellung will den Menschen partout nicht zur Routine werden. Also weg damit.

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