Warnungen ernst nehmen

Kommentar: Zunahme von sozialen Spannungen

Armut, Unterdrückung, Ausgrenzung, Verfolgung, Misswirtschaft: Das sind die üblen Zutaten für die Pulverfässer, an denen in vielen Staaten auf der Welt schon die Lunten brennen oder gelegt sind. Von Siegfried J. Michel

In einer Studie hat die Bertelsmann-Stiftung davor gewarnt, dass es weltweit in den nächsten Jahren zu wachsenden sozialen Spannungen kommen wird und damit zu mehr Protesten, Revolten und Konflikten. Weiteres beunruhigendes Ergebnis der Studie: In 59 von insgesamt 75 untersuchten Demokratien stellten die Experten Rückschritte bei Standards wie faire Wahlen, Pressefreiheit oder Rechtssicherheit fest, darunter schlimmerweise auch Länder in Europa.

All dies muss Politiker in denjenigen Nationen aufhorchen lassen, in denen Demokratie funktioniert und in denen eben nicht die Zutaten für soziale Pulverfässer gemixt werden. Denn Unruhen oder Armut haben immer auch Auswirkungen auf diese Länder selbst. Millionen Menschen sind schon jetzt auf der Flucht und stellen die internationale Gemeinschaft vor gewaltige Herausforderungen. Beschädigt wird natürlich auch die Wirtschaft - in den Konfliktregionen und bei uns. Die Warnungen der Experten sollten deshalb sehr ernst genommen werden.

Ja, es ist eine Herkules-Aufgabe. Aber es müssen mehr Anstrengungen unternommen werden, die Schere zwischen Arm und Reich nicht immer weiter aufgehen zu lassen. Die internationale Gemeinschaft muss zudem den Druck auf die Länder erhöhen, in denen die Freiheit der Bürger mit Füßen getreten wird. Je früher Maßnahmen gegen negative Entwicklungen ergriffen werden, die letztlich zu sozialen Spannungen, Konflikten oder gar Kriegen führen, um so größer ist der Gewinn für die Weltgemeinschaft - auf menschlicher, sozialer und wirtschaftlicher Ebene.

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