Zypern-Krise

Kommentar: Bürger retten, nicht Banken

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Waren das noch Zeiten, als die Deutschen im südeuropäischen Ausland willkommen waren. Damals hatte man ja auch die D-Mark in der Tasche und damit eine Währung, die von der im Vergleich zu heute unterentwickelten Finanzindustrie noch nicht entdeckt worden war.

Aktuell hält sich diese „Industrie“ an die Gemeinschaftswährung Euro, ihre angestellten Hasardeure produzieren höchstens faule Kredite oder heiße Luft und reißen ganze Volkswirtschaften in den Abgrund. Aus dem Schlamassel heraus helfen sollen dann freilich die Steuerzahler in der gesamten EU und - in Zypern jetzt erstmals auch Anleger oder Sparer, deren Konten plötzlich nicht mehr geschützt sind. Das provoziert Ärger, zumal die Profiteure des auf Beschiss ausgelegten Steuersparmodells glimpflicher davon kommen sollten. Bei solch einem Rettungsplan geht der Kleine Mann auf die Straße, verunglimpft die Vertreter des EU-Giganten Deutschland und wünscht dem Duo Merkel/Schäuble stellvertretend für alle Deutschen alles Schlechte.

Ungeachtet dessen, dass es eine hirnrissige Idee war, Sparkonten quasi vogelfrei stellen zu wollen, muss auch den Zyprern aber langsam mal klar werden, dass sie selbst von der Methode, aus Geld noch mehr Geld machen zu können, profitiert haben und deshalb auch zur Rettung des Landes beitragen müssen. Außerdem: Jeder Staat ist für sein Geschäftsmodell selbst verantwortlich. Wenn Zypern glaubt, eine Finanzkloake einrichten zu müssen, dann muss es auch dafür haften. Das kann natürlich in die Pleite führen. Für die Banken hieße das, die Anleger bis 100 000 Euro zu entschädigen, den Rest auszuzahlen. Dann würden sie vom Markt genommen.

Und alle, die versucht haben, auf Zypern ihr Geld zu waschen, würden endlich den Begriff Risiko kennenlernen. Denn seit dieses quasi ausgeschaltet ist, schlittert die EU von einer Krise in die andere. Diese Bankenpleiten könnte Zypern nicht verkraften? Dann geht es ebenfalls in die Insolvenz. Die EU kann entgegen der in Brüssel verbreiteten Angst um die Gemeinschaftswährung auch ohne das lange von der EU-Kommission tolerierte Geldwäscheparadies. Verursacher- und Verschuldensprinzipien sollten jetzt aber endlich wieder Eingang in die EU-Politik finden nach dem Motto: Rettet die Bürger, nicht die Banken.

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