Konflikte vermeiden

Schulen könnten schon bald die Schüler ausgehen - und das hat einschneidende Folgen. Nach Angaben des Landesamts für Statistik werden bis 2020 rund 140 000 Kinder weniger an den Grundschulen und weiterführenden Schulen Hessens unterrichtet.

Gehe man kalkulatorisch von 4 500 Euro Pro-Kopf-Kosten je Schüler aus, so errechne sich eine Summe von etwa 630 Millionen Euro, die pro Jahr zusätzlich zur Verfügung stünde, erklärte die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Heike Habermann. Sie verband die Rechnung gleich mit einem umfangreichen Forderungskatalog: „Diese so genannte demographische Rendite darf nicht für Einsparungen genutzt, sondern sie muss für zusätzliche Angebote und eine Verbesserung der Qualität unseres Bildungssystems eingesetzt werden.“ Den Appell könnte wohl derzeit jede Fraktion im Landtag unterschreiben.

Doch Vorsicht! Der demographische Wandel wird die Bildungsausgaben zweifach beeinflussen. Einerseits wird der Rückgang der Schülerzahlen zu einer Entlastung der Bildungsausgaben führen. Andererseits ist aber völlig unklar, wie das gleichzeitige Ansteigen des Anteils älterer Bürger die Ausgabenbereitschaft der Politik für junge Menschen beeinflussen wird. Immerhin könnten die Alten mit ihrer Bevölkerungsmehrheit Wahlen für sich entscheiden; zugleich wird von Jung-Politikern in den Parteien immer wieder das Vorurteil „bedient“, junge Menschen würden Rentner auf Kosten ihrer eigenen Zukunft finanzieren.

Mit anderen Worten: Bildungspolitiker sollten in Zukunft auch intensiver über Generationen-Konflikte und Chancengerechtigkeit diskutieren. Jung und Alt werden viel häufiger ins Gespräch kommen müssen.

(Peter Schulte-Holtey)

peter.schulte-holtey@op-online.de

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