„Kostenerstattung führt nicht zu Mehrkosten“

Offenbach ‐ Gesundheitsminister Philipp Rösler will, dass Kassenpatienten beim Arzt häufiger selbst zahlen und sich das Geld erstatten lassen. Mit Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der Landesärztekammer, sprach Peter Schulte-Holtey.

Ist denn derzeit eine Umstellung überhaupt machbar?

In dem Punktesystem, bei dem erst am Ende eines Quartals die endgültige Bewertung in einer Geldwährung feststeht, ist es unmöglich, nach jedem Patientenkontakt eine Leistungsabrechnung in Euro und Cent auszustellen. Grundsätzlich halte ich Patientenrechnungen für sinnvoll, da sie für mehr Transparenz im Gesundheitswesen sorgen. Allerdings nur dann, wenn darin Leistung und Gegenleistung nachvollziehbar gegenübergestellt werden können. Unter den gegenwärtigen Abrechnungsbedingungen ist dies jedoch nicht der Fall: Das Verfahren des Sachleistungprinzips lässt, wenn überhaupt, keinen unmittelbaren Rückschluss von der erhaltenen Leistung auf die unmittelbaren Kosten zu. Ich halte es daher für sinnvoll, das Sachleistungsprinzip durch das Prinzip der Kostenerstattung zu ersetzen.

Was kann man vom mündigen Patienten einfordern? Sehen Sie denn keine Schwierigkeiten, wenn Versicherte sich mit den Krankenkassen über Rechnungen auseinandersetzen sollen?

Die Rechnungstellung entspricht den üblichen Verfahren im täglichen Leben. Wenn ich beispielsweise einen Handwerker in Anspruch nehme, erhalte ich eine Rechnung, in der alle Leistungen aufgeführt sind. Übertragen auf das Gesundheitswesen würde dies bedeuten, dass der Patient künftig von seiner Ärztin oder seinem Arzt auch eine Rechnung erhält. Damit liegt ihm dann eine Übersicht über Leistung und Gegenleistung vor, die er selbst überprüfen kann. Die Rechnungserstellung erfolgt nach einer Amtlichen Gebührenordnung und verhindert somit eine willkürliche Festsetzung des Honorars. Im Unterschied zu einer Handwerkerrechnung, die aus eigener Tasche bezahlt werden muss, reicht der Versicherte die Arztrechnung bei seiner Krankenkasse ein, die ihm die Kosten erstattet. Die Begleichung der Arztrechnung kann direkt erfolgen oder von dem Patienten an die Krankenkasse abgetreten werden, so dass der Versicherte bei hohen Rechnungsbeträgen nicht selbst zahlen muss.

Wird das Prinzip der Kostenerstattung nicht am Ende doch teurer für den Patienten?

Nein, die Kostenerstattung führt nicht zu Mehrkosten für den Patienten, wenn der Gesetzgeber entsprechende Regelungen trifft. Grundlage muss, wie gesagt, eine einheitliche Gebührenordnung sein. Kostenerstattung heißt, dass die in Rechnung gestellten Leistungen von den Krankenkassen erstattet werden. Dies bedeutet, dass die Versicherten nicht insgesamt mehr für ihre Krankenversicherung ausgeben, aber zu einem bewussteren Umgang mit den Gesundheitsleistungen angeregt werden. Im Rahmen des Sachleistungsprinzips kann jeder Patient seinen Arzt so oft im Quartal aufsuchen, wie er möchte. Mehr Kosten entstehen ihm dadurch nicht. Die Arztbesuche könnten in dem Kostenerstattungssystem effektiver werden, da der Versicherte nach der Behandlung eine Rechnung bei seiner Krankenkasse einreicht und so in die Lage versetzt wird, ein besseres Kostenbewusstsein zu entwickeln. Außerdem kommt es dem Zeitmanagement der Ärzte und ihrer Zuwendung zum Patienten entgegen.

Wie kann denn mehr Transparenz bei den Abrechnungen erreicht werden?

Durch die Gegenüberstellung von Leistung und Gegenleistung trägt das Verfahren der Patientenrechnung gemeinsam mit anderen Maßnahmen zu mehr Transparenz im Gesundheitswesen bei.

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