“Willy Brandt würde sich schämen“

AKK in eine Reihe mit Hitler und Mussolini gestellt - Union fassungslos über SPD-Wahlkampf-Gag

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Eine Aktion der Jusos in Kombination mit dem Post der SPD-Europaabgeordnete Maria Noichl sorgte für ordentlich Diskussionsbedarf.

Diese Wahlkampf-Gag ging gehörig nach hinten los: Jusos und die SPD werden nach dieser fragwürdigen Aktion von ihrem eigenen Koalitionspartner abgekanzelt.

Ansbach - Mit einer Wahlkampfaktion im bayerischen Ansbach wollten die jungen Sozialdemokraten am Samstag Wähler animieren, bei der Europawahl in zwei Wochen auf die SPD zu setzen. Stattdessen sorgten die Jusos mit ihrem Stand für viel Aufsehen und heftigen Diskussionsstoff. Bei dem Juso-Dosenwerfen trugen die Dosen die Gesichter verschiedener lebender und verstorbener Politiker. Dabei stellten sie die CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer in eine Reihe mit Adolf Hitler und unweit von Benito Mussolini entfernt. 

Fragwürdige Dosenwurf-Aktion: „Willy Brandt und Helmut Schmidt würden sich für Euch schämen"

Auf einem Foto, das die SPD-Europaabgeordnete Maria Noichl am Samstagvormittag auf ihrem Facebook-Account veröffentlichte, ist eine Pyramide aus Blechdosen zu sehen. Jede Dose ist beklebt mit dem Gesicht eines bekannten Politikers. Die CDU-Chefin AKK steht dabei nur zwei Dosen von Adolf Hitler entfernt. Außerdem Teil der Blechdosen-Pyramide sind CSU-Vize Manfred Weber, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und verschiedene AfD-Politiker darunter auch Björn Höcke. In unterster Reihe ist auch noch der italienische Diktator Benito Mussolini Teil des Wurfwettbewerbs. Das Bild betitelte Noichl mit dem Satz: "Ein super Infostand der JUSO Ansbach. Danke! Ihr seids Spitze!"

Die Reaktionen vonseiten der Union ließen nicht lange auf sich warten. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak erklärte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich fordere die SPD-Führung auf, sich von solchen Aktionen sofort und klar zu distanzieren." Über Twitter polterte er weiter: "Ihr schürt Hass in der Mitte der Gesellschaft. Otto Wels, Willy Brandt und Helmut Schmidt würden sich für Euch schämen." 

Sein CSU-Amtskollege Markus Blume nahm ebenfalls Stellung zu dem Vorfall und beklagte mangelnden Anstand der SPD: „Die schäbigen Vergleiche und Spiele der Jusos sind völlig inakzeptabel. Dass diese Aktion vom SPD-Establishment beklatscht und angefeuert wird, ist erschütternd und verlangt ein Einschreiten der SPD-Parteispitze", sagte er der dpa. Abschließend stellte Blume fest: "Wenn die SPD in Panik den demokratischen Grundkonsens in Frage stellt, belastet das den Koalitionsfrieden."

SPD und Jusos in der Kritik: „Noichl wirft Demokraten und Massenmörder in einen Topf“

Auch das Juso-Pendant der CDU, die Junge Union meldete sich zu Wort. Über Twitter fragte Tilman Kuban, Chef der Jungen Union: „Was ist nur aus der einst stolzen Volkspartei geworden ...“ Kuban legte nach und schrieb: „Erst sozialistische Enteignungsfantasien, jetzt jegliches Demokratieverständnis verloren.“ Kuban empfahl der SPD daher eine „Anstandstherapie, um mal wieder in der Realität anzukommen“. 

Mittlerweile hat die SPD-Europaabgeordnete, Maria Noichl das Bild von ihrem Facebook-Profil gelöscht.  „Ich habe das zu Recht viel kritisierte Bild nun gelöscht und entschuldige mich für die Aktion, die Menschen verletzt hat“, entschuldigte sich die SPD-Politikerin und erklärte: „Der Titel über meinem Post bezog sich ausschließlich auf den unermüdlichen Einsatz der Jusos Ansbach bei Wind und Wetter im Europawahlkampf.“ 

Dem CDU-Bundestagsabgeordneten Matthias Hauer war das allerdings nicht genug. Auf Twitter schrieb er empört: „Schlimm, was aus der alten SPD geworden ist. Erst wirft Maria Noichl Demokraten und Massenmörder in einen Topf. Dann folgt: Löschen des Bildes (nach 2 Tagen) ohne klare Distanzierung und mit Lob an Jusos und ‚wir wollten niemanden verletzen‘.“ Das Urteil des CDU-Politikers lautet: „Unterste Schublade!“

Das Thema wird SPD und CDU also auch nach der Entschuldigung Noichls weiterhin beschäftigen und nur zwei Wochen vor der Europawahl vielleicht sogar Effekt auf das Wahlergebnis der Sozialdemokraten haben. Nach der Diskussion um die Sozialismus-These von Juso-Chef Kevin Kühnert geraten die Jusos - und mit ihnen die SPD - durch ihre Dosenwurf-Aktion bereits das zweite Mal in kürzester Zeit stark in die Kritik.  

spz

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