Option Schwarz-Grün

Kommentar: Künasts Farbenlehre

Gewundert hat sich am vergangenen Wochenende eigentlich niemand über das Ende von Schwarz-Grün an der Elbe. Denn das Aus für die erste und einzige Koalition dieser Art auf Länderebene war schon längst in Berlin besiegelt worden. Von Angelika Dürbaum

Die Verlängerung der Atomlaufzeiten, die Castor-Transporte, Stuttgart 21, das Sparpaket - nirgendwo gab und gibt es bei den großen Politthemen eine Schnittmenge zwischen den Christdemokraten und der (Ex-)Ökopartei. Und spätestens als die CDU-Chefin Angela Merkel im November Schwarz-Grün als Hirngespinst abtat und Grünen-Chef Cem Özdemir feststellte: „Wo sie Recht hat, hat sie Recht“, war die Kluft unüberbrückbar. So ist die alte Lagerbildung Schwarz-Gelb und Rot-Grün beziehungsweise Rot-Rot-Grün im Bund und in den Ländern wiederhergestellt.

Dem will eine allerdings nicht zustimmen. Renate Künast, die es vom Posten der Bundestagsfraktionschefin der Grünen zum Chefsessel im Roten Rathaus von Berlin zieht, sieht noch Chancen mit den Schwarzen und will der CDU nicht die Tür vor der Nase zuschlagen. Aus Künasts Sicht macht das durchaus Sinn: Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus setzt sie zwar ganz auf Sieg gegen SPD-Bürgermeister Klaus Wowereit. Sie würde aber Rot-Grün, Wowereit jedoch nicht Grün-Rot mit ihm als Nummer zwei im Senat akzeptieren.

Fazit: Wer mitregieren will, muss sich alle Optionen offenhalten - und seien die ideologischen Gräben auch noch so tief.

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