Kirchen in der Krise

Für Kultur des Vertrauens

Die Institution Kirche steht derzeit unter Generalverdacht. Es heißt nicht: der Einzeltäter mit seiner speziellen sexuellen Prägung hat sich an einem Kind vergriffen. Es heißt stattdessen: Die Kirche vergreift sich an Kindern. Von Peter Schulte-Holtey

Natürlich ist das falsch. Doch die Verantwortlichen, vor allem auf der katholischen Seite, sollten sich jetzt nichts vormachen und von ihrem Versagen mit Hinweisen auf eine überzogene Kritik ablenken. Viele haben bis in die jüngste Gegenwart hinein Priester vor öffentlicher Kritik geschützt. Man hat die Leute einfach versetzt, man hat ihnen im Falle, dass die Taten schwerwiegend waren, auch therapeutische Hilfe angeboten - den Opfern gegenüber gab es kaum eine Entschuldigung, eine Wiedergutmachung schon gar nicht. Erst später lenkte man ein.

Die entscheidende Frage lautet nun: Aufbruch oder Abschottung - welche Lehren zieht die katholische Kirche aus dem Missbrauchsskandal? Die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Karin Kortmann, gibt bereits eine bedenkenswerte Antwort und verlangt, die Kirche müsse dringend an einer „neuen Vertrauenskultur“ arbeiten und mehr Laien in die Verantwortung einbeziehen. Tatsächlich sollte auch in den Pfarrgemeinden viel offener diskutiert werden - über die Rolle der Frau, die Sexualmoral, die Legitimation von Macht und Kontrolle in der Kirche. Nicht nur die Austrittswelle unterstreicht, dass die Zeichen einer epochalen Krise nicht mehr zu übersehen sind. Aus dieser tiefen Krise führt nur der Weg der Aufklärung.

@peter.schulte-holtey@op-online.de

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