Kommentar: Kurze Zuversicht

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Schaurig schöne Statistik: Der Arbeitsmarkt im Februar sieht in Zahlen besser aus als vor einem Jahr. Es geht zwar bergab mit der Zahl der Beschäftigten, aber längst nicht so schnell wie im Januar befürchtet. Angesichts der extrem schlechten Wirtschaftsnachrichten stieg die Zahl der Arbeitslosen nur gering und war unter dem Strich besser als vor einem Jahr.

Dass die Quote so vertrauenserweckend daherkommt hat einen Grund: Die Zahl der Kurzarbeiter ist stärker gestiegen als angenommen. Nach aktuellen Schätzungen im Februar liegt sie zwischen 620 000 und 670 000 – fast doppelt so hoch wie im Januar. Die Zahl der Kurzarbeiter hat die Arbeitsmarktquote gerettet.

Entlasst nicht, macht Kurzarbeit - der Appell der Bundesregierung hat bei den Unternehmen gezündet. Das Vertrauen, das die Firmen dem Konjunkturpaket, der Bundesregierung und der Weltwirtschaft entgegenbringen, ist erstaunlich. Somit dürfte den Unternehmen vor den nächsten Monaten nicht bange sein. Ein wenig Talfahrt lässt sich noch überbrücken - so kann man den Arbeitsmarkt im Februar auch interpretieren. Damit wäre das Glas mehr als halb voll.

Nur weiß niemand zum jetzigen Zeitpunkt, wie lange sich die Unternehmen auf diese Zuversicht stützen können - sind es 18 Monate Kurzarbeit, und geht es dann zurück zu vollen Auftragsbüchern, oder sind es 18 Monate Hoffnung. Eine sehr lange Zeit besonders für die kleinen Unternehmen.

Stellt sich im Sommer heraus, dass positive Signale ausbleiben, dass die Rettungsschirme und Garantie-Versprechen vergeblich waren und sich die Wirtschaft nicht erholt hat, dürfte die Zahl der Arbeitslosen pünktlich zur Bundestagswahl nach oben schnellen. Bricht dann das Auffangbecken Kurzarbeit, wird dies keine Statistik mehr verbergen können.

politik@op-online.de

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