Integrationsdebatte

Kommentar: Lichtblicke im Nebel

Und sie bewegt sich doch, die Integrationsdebatte. Wenn auch in kleinen Schritten. Viel zu lange schien es, als komme sie gar nicht mehr voran, begünstigt durch unsägliche Platitüden, an denen freilich nach wie vor kein Mangel herrscht. Von Ulrich Kaiser

Multikulti ist mausetot, Deutsch lernen und das Grundgesetz achten erste Migrantenpflicht: Solche Beiträge, die durch ihre ständige Wiederholung auch nicht richtiger als richtig werden, sind allemal entbehrlich.

Doch jenseits parteitaktisch motivierten Wortgeklingels wie den Einlassungen eines ums Profil ringenden CSU-Chefs sorgen pragmatische Vorstöße aus den Bundesministerien für Lichtblicke im politischen Nebel. Hürden für qualifizierte Arbeitskräfte aus anderen Staaten senken, die Anerkennung ausländischer Bildungs abschlüsse erleichtern, zugleich entschiedener gegen integrations unwillige Zuwanderer vorgehen: Das muss zukunftsweisende Marschrichtung sein, die sich am gesellschaftlichen Bedarf orientiert. Dazu zählt wohl auch, den erneut vorgetragenen Vorschlag eines Punktesystems für Immigranten zu prüfen.

Um deren Eingliederung besser zu gestalten, bedarf es selbstredend ausreichender Angebote für Integrationskurse und Sprachförderung, ebenso Anpassungen im Bildungssystem. Doch es bedarf keiner leidigen Diskussion, ob der Islam inzwischen auch zu Deutschland gehört. Vielmehr hat dieser unergiebige Diskurs eher den Blick auf Lösungsansätze im Reparaturbetrieb der Integration verstellt. Inwieweit sie gelingt, lässt sich in einer säkularisierten Welt jedenfalls kaum an der Anzahl religiöser Kultstätten ermessen oder an anderen identitätsstiftenden Freiräumen für Minderheiten. Ganz im Gegenteil.

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