Kommentar zu  Schäubles Steuerpolitik

Kommentar: Lust am Untergang

306 Milliarden Euro umfasst der Bundeshaushalt 2011. Finanzminister Wolfgang Schäuble hat es wegen einer von ihm abgelehnten Mini-Steuersenkung im Umfang von 330 Millionen Euro, auf den großen Krach, auch mit seiner eigenen Unionsfraktion ankommen lassen - und verloren.  Von Georg Anastasiadis

Was soll man von der politischen Klugheit eines Mannes halten, der sich einer Petitesse wegen in Kamikaze-Manier auf die eigene Koalition stürzt? Verglichen mit Polterer Schäuble ist der Elefant im Porzellanladen ein graziles, umsichtiges Geschöpf.

Was treibt den Kassenwart? Rechthaberei? Rachegelüste gegen die FDP, die ihm einst die Wahl zum Bundespräsidenten vermasselte? Prinzipienfestigkeit allein kann es nicht sein: Sonst dürfte er nicht, während er den Bürgern eine symbolische Steuersenkung verwehrt, unbekümmert stetig höhere deutsche Hilfen für pleitebedrohte Euro-Sünderländer in Aussicht stellen.

Was immer Schäubles Beweggründe waren: Er hat seiner Kanzlerin und sich selbst einmal mehr keinen guten Dienst erwiesen. Sein Ruf als menschlich fairer Vorgesetzter ist längst dahin. Jetzt ist auch noch sein Nimbus als durchsetzungsstarker Sparkommissar beschädigt, das Vertrauen in seine Urteilsfähigkeit angekratzt, das Verhältnis zum liberalen Koalitionspartner zerrüttet. Fast scheint es, als treibe Merkels wichtigsten Minister die Lust am eigenen Untergang an.

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