Kommentar: Masse statt Qualität

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Detlef Drewes

Brüssel - Es gibt nur wenige Politikbereiche, an denen man die mangelnde Gradlinigkeit europäischer Gesetzgebung so gut ablesen kann, wie bei der Landwirtschaft. Vor sechs Jahren setzte Brüssel eine Begrenzung der Pflanzrechte im Weinbau durch.

 Man wollte auf Qualität statt Masse setzen. Nun folgt die Kehrtwende: In wenigen Jahren sollen Anbauflächen wieder freigegeben werden, um die hohen Preise für Qualitätsweine zu senken.

Die Begründung ist natürlich Unsinn. Brüssel muss sparen. Und da wird vor allem der Agrar-Etat (immerhin der wichtigste Brocken im Budget der Europäischen Gemeinschaft) gnadenlos durchforstet. Das Ergebnis wird niemanden freuen können. Es mag ja sein, dass der Wein am Ende billiger wird, aber es dürfte auch immer weniger deutsche Winzer geben. Stattdessen holt sich die EU - wie in anderen Bereichen - die preiswerte Konkurrenz aus Kalifornien und Afrika ins Haus. Das ist vor allem deshalb kurios, weil man bisher stets auf die hohe Qualität bei Anbau und Ernte Wert legte, auf die man bei außereuropäischen Lieferanten nur begrenzten Einfluss hat.

Um es klar zu sagen: Agrarprodukte müssen nicht nur billig, sondern auch gut sein. Und deshalb auch ruhig etwas teurer.

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