Kommentar: Mehdorn muss gehen

Die Bahn braucht einen neuen Kopf. Das scheint jetzt auch die Bundesregierung zu begreifen, die dem eigensinnigen Top-Manager Hartmut Mehdorn allzu lange die lange Leine ließ. Unzweifelhaft sind Mehdorns Erfolge für ein Staatsunternehmen, das von ihm auf die Privatisierungsschiene gesetzt wurde. Von Frank Pröse

Unzweifelhaft sind in diesem Zusammenhang aber auch die Pannen eines Dienstleisters mit Verantwortung für die Mobilität unserer Gesellschaft. Um die Bahn für den Börsengang attraktiver zu machen, wurden ein ums andere Mal berechtigte Interessen der Kunden geopfert. Eine Korrektur erfolgte erst nach geharnischten Protesten und dann eher halbherzig. Mehdorn hat alle Pannen und Skandale mit Rückendeckung der Politik ausgesessen. Jetzt aber tauchen immer neue Informationen über lückenlose Rund-um-Bespitzelungen auf. Mehdorn will davon nichts wissen. Wer´s glaubt... Aber einer strafrechtlichen Verantwortung ungeachtet hat der Bahnchef die Pflicht, seinen Kopf für die skandalösen Schnüffelaktionen hinzuhalten. Das gebieten Moral und Anstand, die ja gerade vehement auch bei Bankmanagern eingefordert werden. Wenn Mehdorn selbst nicht zur Einsicht kommt, und danach sieht es ob seiner Querschüsse gegen jegliche Aufklärungsbemühungen aus, dann muss eben die Bundesregierung die Notbremse ziehen. Ihr Mann hat schließlich das Vertrauen der Belegschaft verloren, und gegen die Arbeitnehmer lässt sich der Konzern nicht leiten.

Für den Manager ohne Format hätte es längst heißen müssen: „Zurücktreten von der Bahnsteigkante!“ Parteipolitisches Kalkül mit Blick auf die Wahl im Herbst hat diese Konsequenz bisher verhindert. Das ist der Skandal hinter dem Skandal.

frank.proese@op-online.de

Rubriklistenbild: © Foto: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare