Kommentar: Zug um Zug mehr Geld

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Peter Schulte-Holtey

Ärger über Verspätungen, kümmerliche Entschädigungen, fehlende Gesetze: Die Klagen von vielen Bahnreisenden sind hinlänglich bekannt, passiert ist jahrelang wenig. Von Peter Schulte-Holtey

Angesichts der Wohltaten, die gestern verkündet wurden, ist die Verwunderung erneut groß; denn kein anderer Rechtsbereich, der so viele Menschen betrifft, ist bislang so ungenügend und lückenhaft geregelt gewesen wie das Recht der Fahrgäste im öffentlichen Personenverkehr.

Aber jetzt soll ja alles besser werden, bei Verspätung gibt es Zug um Zug mehr Geld für die Kunden. „Die Zeiten, in denen der Reisende auf die Kulanz des Unternehmens angewiesen ist, sind endgültig vorbei“, jubeln Politiker. Hoffentlich stimmt’s! Fest steht, dass es nun zum Beispiel bei einer Zugverspätung von einer Stunde 25 Prozent (bisher 20) des Fahrpreises zurück gibt, bei zwei Stunden 50 Prozent. Wichtig ist vor allem, dass die gesamte „Bahnreisekette“ zu Grunde gelegt wird und nicht nur der Fernzug wie bei der bisherigen freiwilligen Regelung der Bahn. Erfreulich auch: Die Erstattung erfolgt nicht mehr mit Gutscheinen, sondern auch in Form von Geld. Damit hat also jeder Reisende, der sich über eine umfangreiche Verspätung geärgert hat, etwas von der Neuerung.

Ob die Bahn jetzt pünktlicher und der Service besser wird? Zweifel sind angebracht. Die rosarote Bahnwelt stand schon immer im krassen Gegensatz zu den ständigen Pannen bei der Technik, den chronischen Verspätungen und dem maroden Streckennetz. Die neuen Kosten werden die Bahn eher dazu verleiten, alsbald an der Ticketpreisschraube zu drehen - Zug um Zug.

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