Moratorium für Atommeiler

Merkel sucht neuen Kurs

Den Japanern bleibt aber auch nichts erspart. Lebensmittel werden knapp, der Sprit geht aus, Strom wird rationiert, Züge stehen still. Rettungsmannschaften bergen immer mehr Tote aus den Trümmern, Hunderttausende sind obdachlos, ebenso viele werden vermisst. Von Frank Pröse

Derweil wird das Land immer wieder von Beben heimgesucht. Dazu kommt die Angst vor radioaktiver Strahlung, nachdem drei Reaktoren in Fukushima außer Kontrolle geraten sind und die Behörden 200 000 Menschen aus der Umgebung des AKW evakuieren mussten. Es droht die flächendeckende atomare Verseuchung. Ausländische Helfer verlassen das Land. Schlimmer kann´s kaum kommen. Ein solches Schreckensszenario taugt vielleicht als Stoff für einen Apokalypse-Streifen, doch nicht für die Realität!

Angesichts des Überlebenskampfs und des Leids der Japaner erscheint die Atomdebatte hierzulande manchem als pietätlos. Doch darf die Katastrophe für uns nicht folgenlos bleiben. Darüber muss auch in sicherer Entfernung von Kernschmelze und Tsunamifolgen diskutiert werden.

Die Regierung beugt sich unterdessen der öffentlichen Meinung und setzt die Laufzeitverlängerung für deutsche Meiler für drei Monate aus. Die Frist für dieses Moratorium legt den Verdacht nahe, dass der vorübergehende Ausstieg aus dem Ausstieg Schwarz-Gelb gerade mal über die Landtagswahlen helfen soll - bis zum nächsten Einstieg in den verlängerten Ausstieg. Wenn sich Merkel & Co. da mal nicht verrechnet haben. Dieses Mal wird es wohl kein Zurück vom Zurück mehr geben. So glimpflich können die Atomunfälle in Japan gar nicht mehr ausgehen.

Die Bundesregierung hat gestern in aller Hektik ihre bisherige Atompolitik in Frage gestellt. Letztlich aber muss es eine Abkehr geben. Den Weg zu Erneuerbaren Energien wollen die großen deutschen Stadtwerke mit „erheblichen Investitionen“ unterstützen. Die Offerte ist nicht uneigennützig, denn mit der beschlossenen Laufzeitverlängerung sind sie gegenüber den vier großen Energiekonzerne ins Hintertreffen geraten. Die ausgestreckte Hand sollte die Regierung ergreifen, schließlich sieht sie in der Atomkraft nur eine Brückentechnologie.

Die Börse war der Politik gestern wieder einmal einen Schritt voraus. Deutsche Anleger straften angesichts der sich abzeichnenden Kernschmelze in Japan die Energiekonzerne ab. Solar- und Windkraftfirmen legten zu, frei nach dem Motto: Raus aus Atom, rein in die Erneuerbaren Energien. Das gilt jetzt auch für die Regierung.

@ frank.proese@op-online.de

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