Misere in der Pflege

Kommentar: Notstand ist ein Skandal

Die verdeckten Recherchen von RTL-Reportern erinnern an eine Frage, die lauter denn je gestellt werden sollte. Wie viel ist unsere Gesellschaft bereit, für immer mehr Pflegebedürftige zu tun? Von Peter Schulte-Holtey

Es geht um Geld, Zeit und Engagement. Gesundheitsminister Hermann Gröhe will ja nun erste Antworten geben und hat gerade Pläne für eine Pflegereform vorgelegt. Er lässt ein neues Pflege-Einstufungssystem testen. Vor allem die peinlich genaue Abrechnung von Leistungen im Minutentakt, die von vielen Pflegebedürftigen und von ihren Betreuern als unmenschlich empfunden wird, soll es nicht mehr geben. Das hört sich gut an. Die Umsetzung des Plans wird man noch genau beobachten müssen.

Die entscheidenden Fragen warten aber weiterhin auf eine Antwort: Reicht das? Wessen Interessen werden derzeit eigentlich vorrangig gewahrt, die der Pflegebedürftigen oder die der Pflegeanbieter auf dem Markt? Wieso werden gute Pflegeheime mit Heilungserfolgen durch das System nicht viel mehr „belohnt“? Und warum gelingt es nicht, den Pflegenotstand zu beseitigen? Aus Alten- und Pflegeheimen kommen doch seit Jahren regelmäßig laute Klagen über die enorme Arbeitsbelastung und die dünne Personaldecke. Tatsächlich sind die Pfleger in vielen Fällen meist voll damit beschäftigt, die Bewohner „satt und sauber“ zu halten. Zeit, sich um spezielle Wünsche und Bedürfnisse der Alten zu kümmern, bleibt im Heimalltag selten. Ein Skandal!

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