Eskalation in Grenzregion

Türkei setzt Angriffe auf Syrien fort

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Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan

Beirut - Einen Beschuss aus Syrien nimmt die Türkei nicht hin, aber einen Krieg gegen das Assad-Regime will Ankara vermeiden. Das Parlament soll deshalb befristete Militäreinsätze im Nachbarland billigen.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat das Parlament um die Billigung von Militäreinsätzen gegen Syrien ersucht. Bei einem syrischen Granatenangriff das türkische Grenzdorf Akcakale waren am Mittwoch fünf Menschen getötet worden. Bei türkischen Angriffen auf syrische Ziele starben nach Informationen des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira insgesamt 34 Menschen. Der Sender berief sich auf syrische Quellen.

Erdogan legte den Abgeordneten einen Antrag vor, der für die Dauer von einem Jahr grenzüberschreitende Einsätze in dem Bürgerkriegsland erlaubt. Die Türkei griff zwar auch am Donnerstag wieder Ziele in Syrien an, will aber nach Angaben eines ranghohen Erdogan-Beraters keinen Krieg mit dem Nachbarland beginnen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Politiker weltweit mahnten beide Länder zur Besonnenheit.

„Die Türkei hat kein Interesse an einem Krieg mit Syrien. Aber die Türkei ist in der Lage, ihre Grenzen zu schützen und wenn nötig zurückzuschlagen“, erklärte Erdogan-Berater Ibrahim Kalin über den Kurznachrichtendienst Twitter. Die politischen und diplomatischen Initiativen würden fortgesetzt.

Nach dem tödlichen Granatenangriff auf die türkische Ortschaft Akcakale feuerte die die türkische Armee wie schon am Mittwochabend auf Ziele in Syrien. Artillerie habe am Donnerstagmorgen Gebiete bei Tell Abjad unter Feuer genommen, berichteten syrische Aktivisten und türkische Medien. Am Mittwoch starben nach Angaben der syrischen Opposition mindestens fünf syrische Soldaten.

Die Angriffe sind Reaktion auf den Einschlag mehreren Granaten aus Syrien in Akcakale. Eine Türkin und ihre vier Kinder waren getötet worden.

Nach dem syrischen Angriff schaltete die Türkei den UN-Sicherheitsrat ein. Das höchste UN-Gremium wurde nach türkischen Medienangaben in einem Brief am Mittwoch aufgefordert, die syrische Aggression zu stoppen. Der Beschuss sei ein Verstoß gegen das internationale Recht und ein Angriff auf den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die syrischen Angriffe auf die Türkei auf das Schärfste verurteilt. Zugleich rief die Kanzlerin in Berlin alle Beteiligten in dem Konflikt auf, sich zurückzuhalten. „Besonnenheit sei das Gebot der Stunde, wofür die Bundesrepublik Deutschland entschieden eintritt.“ Deutschland stehe an der Seite der Türkei.

Deutschland will sich in der Nato und im UN-Sicherheitsrat für eine besonnene Reaktion auf die gegenseitigen Angriffe in der syrisch-türkischen Grenzregion einsetzen, sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP).

Russland, das zu den letzten Verbündeten des syrischen Machthabers Baschar Al-Assad gehört, forderte Syrien zu Entschuldigung auf. Außenminister Sergej Lawrow appellierte an beide Länder, Grenzfragen wie auch das Problem syrischer Flüchtlinge direkt miteinander zu besprechen.

Die Türkei hat seit Beginn des Bürgerkrieges im Nachbarland mehr als 93 000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Die Forderung Ankaras, eine Schutzzone für Vertriebene auf der syrischen Seite der Grenze einzurichten, hat international keine ausreichende Unterstützung erhalten. Die türkische Regierung sympathisiert mit den Assad-Gegnern.

Der derzeitige Konflikt mit Syrien berechtigt nicht zum kostenlosen Stornieren von Türkeireisen. „Die Urlaubsregionen sind nicht betroffen“, sagte Reiserechtler Paul Degott dem dpa-Themendienst. Auch das Auswärtige Amt habe bislang keine Reisewarnung für die Türkei ausgegeben. „Angstgefühle im Oberbauch sind keine Grundlage für einen Vertragsabbruch“, erklärte Degott.

dpa

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