Modi prophezeit Indien nach Wahlsieg "gute Tage"

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Wahlsieger in Indien: Narendra Modi.

Neu-Dehli - Nach dem triumphalen Sieg der hindu-nationalistischen Partei BJP bei den Parlamentswahlen in Indien hat ihr Spitzenkandidat Narendra Modi  dem Land "gute Tage" prophezeit.

"Indien hat gewonnen", schrieb Modi am Freitag auf Twitter, dem Kurzbotschaftendienst im Internet. "Gute Tage werden kommen." Danach machte er sich nach eigenen Angaben auf den Weg zu seiner Mutter in seinen Heimatstaat Gujarat, um sich ihren Segen zu holen.

Ersten Teilergebnissen zufolge erreichte die BJP eine knappe absolute Mehrheit im Parlament. Die Wahl in Indien war in mehreren Etappen abgehalten worden, am Freitag begann die Auszählung der Stimmen.

Indiens Premierminister gratuliert Modi zum Wahlsieg

Indiens Premierminister Manmohan Singh hat dem Spitzenkandidaten der oppositionellen BJP zum Wahlsieg gratuliert. Der 81-Jährige habe Narendra Modi angerufen, heißt es am Freitag in einer Nachricht im offiziellen Twitter-Account des Premierministers.

Die bisher regierende Kongresspartei, zu der auch Singh gehört, sah einer noch nie dagewesenen Niederlage entgegen.

Ein künftiger Premier, der Indien spaltet

Seine Anhänger sehen in ihm einen Reformer nach dem Vorbild Margaret Thatchers, seine Feinde schmähen ihn als zweiten Putin oder Hitler: Indiens voraussichtlicher neuer Premierminister Narendra Modi spaltet die öffentliche Meinung wie nur wenige Politiker. Die einen loben seine Wirtschaftskompetenz als langjähriger Regierungschef des westindischen Bundesstaats Gujarat, die anderen warnen vor der autoritären und kompromisslosen Haltung des überzeugten radikalen Hindu-Nationalisten. Vor allem bei religiösen Minderheiten und säkularen Aktivisten stößt der 63-Jährige auf Vorbehalte.

Die Kluft zwischen Modi und dem Spitzenkandidaten der bis dato regierenden Kongress-Partei, Rahul Gandhi, könnte nicht größer sein. Letzterer stammt aus der berühmtesten Politiker-Dynastie des Landes, wurde in Oxford und Harvard ausgebildet, gilt aber als führungsschwach. Modis Vater dagegen war Teeverkäufer, der Sohn durchlief schon früh die radikal-hinduistische und mehrfach verbotene Kaderbewegung Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) und pflegt sein Image als politischer Außenseiter - Wegbegleiter bescheinigen ihm eine extreme Zielstrebigkeit.

Modi gehört zum radikalen Flügel der hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Perti (BJP). Der seit 2001 amtierende Ministerpräsident von Gujarat gilt als effizienter Verwalter, der durch eine wirtschaftsliberale Politik seinem Bundesstaat hohe Wachstumsraten beschert hat. Zwischen 2005 und 2012 wies Gujarat ein durchschnittliches Wachstum von 10,13 Prozent und damit das zweithöchste aller größeren indischen Bundesstaaten auf. In Indiens großen Unternehmen hat Modi viele Freunde, auch ausländische Konzerne wie etwa Ford loben seine "straffe und saubere" Regierung.

Doch Modi hängt die Erinnerung an die anti-muslimischen Pogrome an, bei denen in den Anfängen seiner Amtszeit 2002 in Gujarat mindestens tausend Menschen getötet wurden. Zwar wurde er selbst dafür nie rechtlich belangt, doch zeigten Untersuchungen, dass die Gewalt maßgeblich von BJP-Politikern angefacht und gesteuert worden war. Entschuldigt hat sich Modi bis heute nicht.

Viele Europäer und die USA verweigerten wegen der Gewalt über Jahre jeden Kontakt mit Modi, bei der muslimischen Minderheit stößt er bis heute auf Misstrauen. Im Wahlkampf verzichtete der 63-Jährige daher weitgehend auf Angriffe gegen die Muslime und stellte stattdessen seine Erfolge bei der Förderung der Industrie in den Vordergrund.

Auch wenn immer wieder Zweifel an den von Modi vorgelegten Zahlen zu Gujarat geäußert werden und Aussagen zu seiner künftigen Wirtschaftspolitik vage blieben, gelang es der BJP, seine Politik als Modell für ganz Indien zu verkaufen. Indiens Wirtschaft trudelt, und viele Menschen erwarten von ihrem künftigen Regierungschef wahre Wunder.

Kritiker warnen vor zu großen Hoffnungen

Seine Kritiker aber warnen vor zu großen Hoffnungen: Modis Wirtschaftspolitik nutze vor allem großen Konzernen, die Armen würden auch in Gujarat ignoriert wie eh und je. Und allen Antikorruptionsversprechungen zum Trotz hatte Gujarat unter seiner Führung bis vergangenes Jahr keinen Korruptionsbekämpfer. Einer von Modis engen Vertrauten, Amit Shah, muss sich zudem wegen Mordes und Erpressung während seiner Zeit als Gujarats Innenminister verantworten.

Andere stoßen sich an Modis Neigung, alle Macht auf sich zu konzentrieren, und werfen ihm autoritäre Züge vor. Unter anderem redet er von sich stets in der dritten Person und prahlt gern mit seiner breiten Brust. Kongress-Minister Jayaram Ramesh nannte den begnadeten Redner gar "Indiens ersten wahrhaftigen Faschisten".

Trotz seiner Allgegenwart im Wahlkampf ist über Modis Privatleben nur wenig bekannt. Er soll Yoga lieben, streng vegeratisch und niemals in Gesellschaft essen. Einer schon in Kindestagen arrangierten Ehe soll er sich verweigert, stattdessen als junger Erwachsener jahrelang im Himalaya nach Erleuchtung gesucht haben. In seiner Residenz in Gujarat lebt der passionierte Vogelsammler allein.

AFP/dpa

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