Kommentar: Nur nicht hinhalten

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Martina Wewetzer

Befristete Verträge dürfen beliebig oft verlängert werden. Das haben die Richter des Europäischen Gerichtshofs entschieden. Glück für Arbeitgeber, Pech für Arbeitnehmer möchte man sagen – doch so einfach ist es nicht. Von Martina Wewetzer

Denn für die Befristung der Verträge braucht es einen Sachgrund wie höherer Bedarf an Mitarbeitern in der Hochsaison, Vertretung anderer Arbeitnehmer, Integration in den Arbeitsmarkt nach Studium oder Ausbildung. Ohne sachlichen Grund bleibt es bei maximal zwei Jahren.

Es wird für Arbeitgeber immer Gründe geben, warum sie Arbeitsverhältnisse befristen. Manche sind durchaus berechtigt. Wenn aber Unternehmen ihren Beschäftigten mit befristeten Verträgen die Planungssicherheit nehmen, dürfen sie sich nicht wundern, wenn sie damit auch einen Teil ihrer Kundschaft verprellen.

Machen es alle, bricht die Konjunktur ein. Denn wer kauft einen Neuwagen, eine Küche oder unterschreibt einen Baukredit, wenn er nicht weiß, ob er im nächsten Jahr noch einen Job hat? Das sollten Arbeitgeber im Blick haben, wenn sie Beschäftigte mit befristeten Verträgen hinhalten.

In Zeiten des Fachkräftemangels ist es ohnehin heikel, derart lockere Bande zu knüpfen. Denn Facharbeiter sind schon heute Mangelware.

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