Niemand strahlt

Es ist ein strahlendes Geschenk, das wir den nachfolgenden Generationen hinterlassen. Irgendwo in einer sicheren geologischen Formation sollen die Behälter des weiter strahlenden Mülls möglichst so entsorgt werden, dass sich niemand mehr drum kümmern muss.

Das wird wohl kaum der Fall sein. Dabei ist Deutschland sogar noch gut dran. Durch den bereits beschlossenen Ausstieg aus der Kernkraft kann die Menge des anfallenden Restmülls zum einen begrenzt und zum anderen relativ genau bestimmt werden. Da tun sich klassische Kernkraft-Länder wie Frankreich deutlich schwieriger. Sie brauchen nicht nur ein Lager, sondern noch dazu eines, das noch auf Jahrzehnte hinaus weiter befüllbar ist.

Die Kommission hat den Regierungen in den 27 Mitgliedsstaaten damit eine schwere Last aufgebürdet. Ein derartiges Netz von Endlager-Stätten ist, selbst wenn es sich unter geologischen Gesichtspunkten finden ließe, derart unpopulär durchzusetzen, dass die, die nun unter Druck geraten, am Ende mit ihrer politischen Existenz dafür bezahlen werden. Dabei muss auch dem, der aus der Atomkraft aussteigen will, klar sein, dass es solche strahlenden Grabstätten für das Ende dieser Energiequelle braucht.

Der Druck auf Betreiber wie Regierungen wird nun wachsen. Denn die von der Kommission ausdrücklich eingeforderte öffentliche Beteiligung macht den Zwang, eine geeignete Lagerstätte zu finden, zu einem politischen Spießrutenlauf. Niemand will in der Nähe einer mutmaßlichen Zeitbombe leben, von der er – genährt durch schlechte Erfahrungen – nicht weiß, ob der Deckel wirklich auf Dauer hält. Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass ein solches Projekt in einem gesellschaftlichen Konsens machbar ist. Wo doch schon die Folgen der Energiewende an jedem Windrad zu immer neuem Aufstand führen.

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