Steinbach erneuert Kritik

Kommentar: Nur noch Kopfschütteln

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Lorenz von Stackelberg

Erika Steinbachs verbaler Ausfall gegen Wladyslaw Bartoszewski kann nicht einfach, wie es die Unions-Fraktionsspitze gerne hätte, als „Privatmeinung“ ad acta gelegt werden. Von Lorenz von Stackelberg

Allein schon deshalb nicht, weil es sich bei der Vertriebenen-Präsidentin und dem polnischen Deutschlandbeauftragten um zwei wichtige Exponenten zweier Völker handelt, die ein sensibles Verhältnis verbindet.

Frau Steinbach hat natürlich das Recht, Bartoszewski unsympathisch zu finden, wie es umgekehrt dem 88-jährigen Auschwitz-Überlebenden unbenommen ist, Frau Steinbach nicht zu mögen. Nur macht die beharrliche öffentliche Wiederholung der Behauptung, Bartoszewski habe „einen schlechten Charakter“, aus einer Entgleisung ein bewusst formuliertes Statement mit unkalkulierbarer Wirkung. Den Charakter eines Menschen öffentlich in Zweifel zu ziehen, ist nämlich nicht nur eine grobe Beleidigung, sondern auch unsinnig, ungerecht und maßlos, weil damit eine vielschichtige Persönlichkeit samt kompletter Lebensleistung mit einem pauschalen Verdammungsurteil überzogen wird. Es berührt sämtliche Menschen, die mit dem Beschimpften je in Beziehung standen.

Angesichts des drohenden Flurschadens fragt man sich kopfschüttelnd, was die bisher nicht für übermäßige Empfindlichkeit bekannte Funktionärin, Anfeindungen hin oder her, zu ihrem Ausfall veranlasst haben mag und warum sie sich nicht längst erschrocken entschuldigt hat. Jetzt muss sie sich vorwerfen lassen, nicht nur die deutsch-polnischen Beziehungen zu belasten, sondern auch die Union und den Bund der Vertriebenen zu diskreditieren.

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