Nichts für die Annalen

Kommentar zum Nordkorea-Gipfel in Singapur

Das Positive vorweg: Zwei Sturköpfe sind aufeinander zugegangen, haben sich zwölf Sekunden lang die Hand gegeben, haben aber auch miteinander gesprochen und letztlich eine Vereinbarung schriftlich fixiert. Von Frank Pröse

Auch wenn Donald Trump das historische Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un in Singapur mit seinen für ihn typischen Smalltalk-Superlativen und ekelhaften, weil viel zu übertriebenen Lobeshymnen gegenüber einem irren Geiselnehmer verhunzte: Jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Den haben Trump und Kim, die sich vor Kurzem noch mit ihrem Atomarsenal gegenseitig bedrohten, getan.

Doch genau weil diese beiden eben großmäulige Hasardeure sind, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Warum man Kim vertrauen sollte, erschließt sich angesichts dessen sprunghafter Politik nicht. Und dass ein Vertrag der Trump-Regierung einfach mal so nichts wert ist, dass haben die USA gerade in den letzten Monaten eindrucksvoll demonstriert. Ein falscher Satz von Kim und Trump wird via Twitter alle Absprachen in Abrede stellen.

Das kann übrigens auch dann passieren, wenn der amerikanische Präsident merken sollte, dass der „Rocket Man“ letztlich mehr Profit aus dem Treffen ziehen kann. Den propagandistischen Erfolg mal beiseitegelassen, so hält Kim trotz aller Unverbindlichkeit der Sicherheitsgarantie durch die Amerikaner ein dickes Faustpfand in der Hand, während er der Welt nur vage Angaben zur atomaren Abrüstung Nordkoreas machen musste.

Trump und Kim feiern Gipfel als Erfolg

Es bleibt also ein fader Beigeschmack, dass es nämlich beiden begnadeten Selbstdarstellern vor den Kameras der Welt nur auf eine symbolische Geste für einen persönlichen Imagegewinn ankam. Allem Anschein nach wird dieses Treffen der Eitelkeiten in Singapur wohl nicht zu einem Gipfel für die Geschichtsbücher. Aber die Menschheit hat auch schon schlechtere Tage gesehen.

Rubriklistenbild: © Offenbach-Post

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