Desaster für Kurt Beck

Nürburgring ist insolvent

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Der Ort des Desasters aus der Luft. Für den Nürburgring wird Rheinland-Pfalz Insolvenz anmelden.

Mainz - Die landeseigene Besitzgesellschaft des Nürburgrings wird Insolvenz anmelden. Das hat das rheinland-pfälzische Kabinett gestern beschlossen, nachdem Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) seinen Urlaub kurzfristig unterbrochen hatte. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Wie berichtet, hat es bisher kein grünes Licht der EU-Kommission gegeben, um dem Unternehmen eine Rettungsbeihilfe in Höhe von 13 Millionen Euro zu bewilligen und die Zinsen des 330-Millionen-Kredits für den Freizeitpark rund um die weltberühmte Rennstrecke zu stunden.

Wer glaubte, der wegen des Dramas um sein Infrastrukturprojekt am Ring heftig kritisierte Beck resigniere nun, irrte freilich. Der Pfälzer ging gestern vielmehr in die Offensive und behauptete, die EU-Kommission sei schuld an der Insolvenz. So habe sie die Beihilfe des Landes zwar bisher nicht abgelehnt. Brüssel habe aber erklärt, vor dem 30. Juli nichts zu entscheiden, da man insgesamt prüfe, ob das Projekt den EU-Wettbewerbsrichtlinien entspreche. Angesichts der verrinnenden Zeit komme das für den Nürburgring aufs Gleiche raus, schimpfte Beck, denn die GmbH ist zahlungsunfähig, weil der private Betreiber des Rings die Pacht nicht zahlen kann. Ihm wurde deshalb gekündigt.

Die grüne Wirtschaftsministerin Eveline Lemke sprach von einer Rechtsschutzverweigerung durch die EU, da durch die Insolvenz unwiderrufliche Fakten geschaffen würden. Beck merkte an, dass Thema im Kabinett auch die 100-Milliarden-Finanzhilfe der EU für spanische Banken gewesen sei. Hier spielten wettbewerbsrechtliche Fragen offenkundig keine Rolle, so der Ministerpräsident süffisant.

Wie es nun am Ring weitergehe und welchen Einfluss das Land darauf habe, müsse der Insolvenzverwalter entscheiden, so Beck. Das Land habe nach wie vor das Ziel, die Situation im Sinne der Region „neu zu ordnen“. Die bereits gekündigte private Betreibergesellschaft NAG sieht sich noch im Rennen. Sie teilte gestern mit, sie habe sich mit Formel 1-Chef Bernie Ecclestone auf ein Konzept verständigt, nach dem auch künftig die Formel 1 auf dem Nürburgring gesichert sei. Auch für „Rock am Ring“ und mehrere ADAC-Veranstaltungen habe man Angebote vorgelegt, die einen Fortbestand bringen könnten.

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