Organspenden:

Kommentar: Zeit zum Handeln

Die Berichte tauchen immer wieder in den Spalten der Zeitungen auf: Menschen, die einem Schwerstkranken eine lebensrettende Niere oder Leber spenden, ernten dafür nicht immer nur Lob und Anerkennung. Von Angelika Dürbaum

Arbeitgeber, die wochenlang auf einen Mitarbeiter verzichten und womöglich Lohnfortzahlung leisten müssen, drohen schon mal mit Kündigung. Oder Versicherungen und Kassen schieben den schwarzen Pater hin und her, wenn es um die Frage geht, wer für Spätfolgen bei den sogenannten Lebendspendern aufkommen soll.

Wir erinnern uns: Vor eineinhalb Jahren war die Nation zutiefst gerührt, als SPD-Spitzenmann Frank-Walter Steinmeier seiner Ehefrau eine Niere spendete. Beiden geht es heute blendend. Steinmeier nutzt seitdem jede Gelegenheit, das Thema stärker ins Bewusstsein zu rücken. Aber wirklich passiert ist nichts. Die Betroffenen, sowohl die Erkrankten wie die Lebendspender, sind mit der schweren Entscheidung und ihren möglichen Folgen nach wie vor auf sich allein gestellt. Nun soll endlich Abhilfe geschaffen werden. Die Bundesregierung plant, die Lebendspender rechtlich und finanziell besser abzusichern. Ein erster Schritt. Denn natürlich muss noch mehr passieren in Sachen Organspende, vor allem bei den postmortalen Spenden.

Tausende Menschen stehen hierzulande auf der Warteliste. Zugleich geht aber die Zahl der Spender und der gespendeten Organe immer weiter zurück. Dies belegen auch die ersten Zahlen für das Jahr 2011. Dabei sind Umfragen zufolge fast 70 Prozent bereit, ihre Organe zur Verfügung zu stellen. Doch Angst, Unsicherheit und Unbehagen scheinen groß zu sein, denn nur ein Fünftel der Deutschen trägt derzeit tatsächlich einen Spenderausweis bei sich. Und die Politik tut sich augenscheinlich schwer mit einer Regelung.

Seit Jahren wird über ein neues Gesetz diskutiert. Entscheidung: bislang Fehlanzeige. Laut EU-Vorgabe muss der Bundestag aber bis Mitte des Jahres ein neues Transplantationsgesetz verabschieden. Die Fraktionen planen, die Bürger künftig regelmäßig nach ihrer Haltung zu befragen - in der Hoffnung, so die Bereitschaft zur Organspende zu erhöhen. Den betroffenen Patienten ist zu wünschen, dass sich diese Hoffnung erfüllt

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