Politikerin erinnert an frühere Taten

Tödliche Messerattacke auf Polizeiwache: Frankreich wieder vom Terror heimgesucht? Ermittler stehen vor Rätsel

In der Nähe von Paris ist es am Freitag auf einer Polizeiwache zu einer Bluttat gekommen. Es besteht Terrorverdacht. Auch eine bekannte Rechtsaußen-Politikerin meldet sich zu Wort.

Update vom 24. April, 15.38 Uhr: Nach der Tötung einer Polizistin stellen sich in Frankreich viele Fragen. Hat es das Land wieder mit einem Terror-Akt zu tun? Ungeachtet den Hintergründen ist klar, dass die Familie des Opfers in großer Trauer ist. Ihre 49-jährige Angehörige wurde brutal mit einem Messer angegriffen und ermordet. Der Angreifer wurde an Ort und Stelle von anderen Polizisten getötet.

Jetzt besucht Staatschef Emmanuel Macron die trauernde Familie in Thoiry, westlich von Paris. Sie sei „sehr erschüttert und sehr würdig“, teilte er nach seinem Besuch mit. Ihm sei es ein Anliegen gewesen, der Familie seine Unterstützung und Solidarität zu bekunden.

Tödliche Messerattacke auf Polizeiwache: Frankreich wieder vom Terror heimgesucht? Ermittler stehen vor Rätsel

Update vom 23. April, 21.30 Uhr: Weitere Details zur tödlichen Messerattacke auf eine Mitarbeiterin einer Polizeiwache sind nun bekannt. So sei das Opfer zweifache Mutter gewesen. Präsident Emmanuel Macron erinnerte, dass im betroffenen Département Yvelines im vergangenen Jahr ein Lehrer enthauptet worden war, weil er im Unterricht Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte.

Der Messerangreifer habe die Verwaltungsbeamtin am frühen Nachmittag angegriffen, als sie aus ihrer Mittagspause in das Polizeirevier zurückkehrte. Laut Zeugenaussagen rief er dabei „Allahu Akbar“ (Gott ist groß). Es soll sich bei dem Täter um einen 36-Jährigen Tunesier handeln, der später an den Folgen seiner Schussverletzungen durch die Polizei starb. Er sei 2009 zunächst ohne Papiere nach Frankreich gekommen, habe seither aber eine Aufenthaltserlaubnis erlangt. Nach Rambouillet, wo sich die Tat ereignete, soll er erst kürzlich gezogen sein. Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard sagte, „Äußerungen des Angreifers“ deuteten auf ein terroristisches Motiv hin.

Aus Justizkreisen hieß es, dass im Rahmen der Ermittlungen drei Menschen festgenommen worden seien. Sie gehörten demnach zum Umfeld des Angreifers. Den Angaben zufolge durchsuchten Beamte auch die Wohnung des Angreifers in Rambouillet.

Update vom 23. April, 18.20 Uhr: Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron versichert, dass der Staat im Kampf gegen den „islamistischen Terrorismus“ nicht nachlassen wird. „Die Nation ist an der Seite ihrer Familie, ihrer Kollegen und der Sicherheitskräfte“, teilte der 43-Jährige via Twitter mit: „Im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus geben wir nicht klein bei.“

Angriff auf eine ihrer Kolleginnen: Die französische Polizei sicherte nach der Bluttat die Umgebung der betroffenen Wache.

Erstmeldung vom 23. April

Rambouillet - Frankreich* ist einmal mehr in Aufruhr. Auf einer Polizeiwache in Rambouillet bei Paris ist es zu einer tödlichen Messerattacke gekommen. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Der Vorwurf laute Mord in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben.

Eine Mitarbeiterin der Polizei war am frühen Freitagnachmittag von einem Angreifer mit einem Messer getötet worden. „Die Republik hat gerade eine ihrer Alltagsheldinnen verloren - bei einer barbarischen und unendlich feigen Tat“, schrieb Premierminister Jean Castex auf Twitter. Er traf am Nachmittag am Tatort ein.

Tödliche Messerattacke in Frankreich: Tatverdächtiger soll Polizei nicht bekannt gewesen sein

Medien zufolge wurde der Angreifer von Polizisten angeschossen und starb an seinen Verletzungen. Bei dem Tatverdächtigen soll es sich um einen 36-jährigen Mann aus Tunesien handeln, der der Polizei vorher nicht bekannt gewesen sei.

Der Angriff ereignete sich in der Gemeinde Rambouillet gut 60 Kilometer von Paris entfernt am frühen Nachmittag. Die Stadt mit ihren rund 26.000 Einwohnern gilt als friedlich. Die Gemeinde liegt im Südwesten der Hauptstadt.

Tödliche Messerattacke in Frankreich: Twitter-Reaktion von Rechtsaußen-Politikerin Le Pen

Die Rechtsaußen-Politikerin Marine Le Pen kommentierte die Tat auf Twitter mit den Worten, die gleichen Schrecken folgten aufeinander, die gleiche unendliche Trauer beim Gedanken an die Angehörigen und Kollegen dieser ermordeten Polizistin. Es seien immer die „gleichen islamistischen Motive“.

Die Zeitung Le Parisien berichtete, dass die Frau beim Betreten des Kommissariats von dem Angreifer überrascht worden sei. Sie sei am Hals verletzt worden und noch am Tatort gestorben. Die Frau war Berichten zufolge etwa 49 Jahre alt. Jérome Moisant von der Polizeigewerkschaft Unité SGP Police sagte dem Sender Franceinfo, dass die getötete Kollegin in der Verwaltung gearbeitet habe. Der Angreifer habe sich zuvor vor der Wache aufgehalten.

Tödliche Messerattacke in Frankreich: Land wird immer wieder von Anschlägen heimgesucht

Immer wieder gibt es in Frankreich Angriffe auf die Polizei. Im Herbst 2019 tötete ein Angestellter im Polizeihauptquartier in Paris vier seiner Kollegen mit einem Messer. Die Ermittler gehen von einem Terrorhintergrund aus. 2017 tötete ein Mann auf der Pariser Nobelstraße Champs-Élysées einen Beamten und verletzte zwei weitere. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich.

Frankreichs Mitte-Regierung will mit einem neuen Sicherheitsgesetz mehr Schutz für die Ordnungskräfte im Land bieten. Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert - dabei starben mehr als 250 Menschen. (dpa) *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © BERTRAND GUAY/afp

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