Rösler will Lasten von Pflegenden mindern

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Zur Vorbereitung seiner Pflegereform hat Gesundheitsminister Philipp Rösler am Montag mit Experten die Situation pflegender Angehöriger beraten.

Berlin - Millionen Menschen pflegen ihre Angehörigen zuhause - viele gehen dabei über ihre Grenzen hinaus. Gesundheitsminister Rösler berät über Anrechnungen für die Rente und Hilfen ähnlich der Mutter-Kind-Kuren.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will die enormen Belastungen von Millionen pflegenden Angehörigen mindern. Über Verbesserungen etwa bei der Anrechnung von Pflegezeiten für die Rente oder Angeboten zur Erholung auf Kassenkosten beriet Rösler am Montag in einem Spitzentreffen mit rund 25 Vertretern der Branche, von Sozial- und Patientenverbänden sowie der Länder. Lösungen müssten aber bezahlbar bleiben, mahnte der Minister.

Zu den rund 1,6 Millionen Angehörigen mit Leistungen aus der Pflegeversicherung, die zuhause betreut werden, kommen noch bis zu 2,5 Millionen Demente und andere Hilfsbedürftige, die keine Leistungen erhalten. Rösler hatte bereits eine Erholung nach dem Vorbild der Mutter-Kind-Kuren in Aussicht gestellt. Auch bei der Rente solle die Pflege zuhause angerechnet werden. “Der größte Pflegedienst in Deutschland sind die Angehörigen“, sagte der Präsident des Pflegerates, Andreas Westerfellhaus, der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. “Viele Angehörige gehen über ihre Grenzen hinaus und müssen ihr Leben umorganisieren“, sagte Westerfellhaus. In der Regel seien sie 24 Stunden für ihre Verwandten da.

Viele geben ihren Job auf, plagen sich mit Behördengängen herum - und leisten sowohl Schwerstarbeit als auch sensible Betreuung in der Pflege. Dabei bekommen die meisten kaum Anleitung, wenig Hilfe und keinerlei Anerkennung etwa in Form von Zeugnissen. “Nötig sind stärkere Beratung und Begleitung, strukturierte Schulungen und Qualifizierung von Angehörigen“, sagte Westerfellhaus. Zwar zeichneten sich heute schon einige Pflegekassen durch solche Angebote aus. “Aber es ist äußerst ausbaufähig.“ Letztlich müsse es hier generell neue Leistungen der Pflegekassen geben. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen forderte eine Grundsicherung im Alter. “Es kann nicht sein, dass ich im Alter Einbußen in Kauf nehmen muss, wenn ich meine ältere Generation pflege“, sagte Verbandsexperte Stefan Etgeton.

Die Diakonie forderte ein flächendeckendes Netzwerk für mehr Unterstützung. Die Deutsche Hospiz Stiftung kritisierte die Einstufung in Pflegestufen als völlig ungerecht - Betroffenen riet sie zur Klage. “Insbesondere für pflegende Angehörige ist die wahnsinnige institutionelle Gängelung unerträglich“, sagte der Geschäftsführer der Patientenschutz-Organisation, Eugen Brysch, der dpa. Zu 40 Prozent hätten Widersprüche vor den Sozialgerichten Erfolg. Brysch appellierte an Betroffene: “Bohrt das System an - es ist auf Sand gebaut!“

In der ersten Instanz sei der Widerspruch kostenlos. Das Rösler-Ministerium wollte die Kosten für Verbesserungen zunächst nicht quantifizieren. Über die Finanzierung werde erst am Ende mehrerer Treffen für die geplante Pflegereform beraten, hieß es. Etgeton meinte, dies sei sachlich zwar gerechtfertigt. Allerdings wolle die Koalition damit wohl auch ihren Streit über eine geplante Geldanlage für späteren Pflegebedarf etwa in Form von Zusatzbeiträgen in der Pflege aufschieben. “Ich vermute, dass man den Koalitionsstreit nicht das ganze Jahr über praktizieren will.“

dpa

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