Sarrazin und die Parteien

Kommentar: Politisches Gespenst

Thilo Sarrazin will keine neue Partei gründen. Auch die jetzt durchs Meinungsforschungsinstitut Emnid ermittelten 18 Prozent, die ihn wählen würden, werden ihn sicherlich nicht dazu bewegen, den Schritt zu wagen. Von Peter Schulte-Holtey

Die größte Strahlkraft auf Unzufriedene hat ja auch gar nicht der Noch-Sozialdemokrat, sondern der ehemalige Bundespräsidentschaftskandidat von SPD und Grünen, Joachim Gauck: Eine Partei unter seiner Führung würden 25 Prozent der Deutschen wählen.  Es sind Zahlen- und Gedankenspiele, die vor allem eines besagen: Der Unmut vieler Bürger über die etablierten Parteien wächst - und das Potenzial für eine bürgerliche Protestpartei in Deutschland ist zurzeit enorm. Aber wie realistisch ist sie - diese sechste Partei? Parteienforscher Jürgen W. Falter äußerte sich bereits skeptisch.

Er nennt zwei wesentliche Gründe für Zweifel: Es fehlt das richtige Personal und ausreichend Geld für eine Neugründung. So wird die Partei Nr. 6 vorerst wohl bleiben, als was sie derzeit daherkommt: ein politisches Gespenst.

Trotzdem sollten sich vor allem CDU und SPD fürchten. Denn das Phänomen des Nichtwählens wird immer größer und immer gefährlicher für sie. Viele Wähler fühlen sich durch die Ex-Volksparteien nicht mehr angesprochen. Diese teilweise tiefe Kluft zwischen Hunderttausenden und den Parteien bzw. Volksvertretern hat auch die heftige Debatte um Sarrazin aufgezeigt. Wer jetzt meint, mit dem Rauswurf des Unbequemen sei diese Facette der Debatte erledigt, irrt und handelt sträflich.

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