Kommentar: Der Preis des Rechtsstaats

Entschädigung für den verurteilten Kindermörder Magnus Gäfgen - das Urteil des Landgerichts Frankfurt ist an der Grenze zur Unerträglichkeit. Von Ralf Enders

Und dennoch müssen wir es ertragen, wollen wir nicht auf einer juristischen Stufe stehen mit Unrechtsstaaten und Bananenrepubliken, über die wir so gerne den Kopf schütteln.

Um die vermeintlich schreiende Ungerechtigkeit besser zu verstehen, hilft vielleicht der Hinweis zur Differenzierung von Richter Christoph Hefner: Es sei unerheblich, dass Gäfgen zuvor eine Straftat begangen hat, das Recht auf Achtung seiner Würde könne auch dem Straftäter nicht abgesprochen werden.

Gäfgen hat einen Mord begangen und ist zu lebenslanger Haft verurteilt. Zudem ist die „besondere Schwere der Schuld“ festgestellt, eine automatische Freilassung nach 15 Jahren also ausgeschlossen.

Daneben - nicht gegenüber! - steht die vom Polizeibeamten Wolfgang Daschner angeordnete Folterandrohung. Das ist ein Eingriff in Menschenwürde und körperliche Unversehrtheit, die höchsten Güter unserer Verfassung. Mag Daschners Vorgehensweise den meisten von uns sympathisch erscheinen - sie darf nicht legitim werden.

Das Recht deckt sich also mitnichten immer mit unserem Rechtsgefühl. Die Justiz muss nur aufpassen, dass dies nicht zu oft vorkommt, sonst verliert sie Vertrauen.

Vor allem aber: Hoffentlich war’s das endlich mit dem Mörder und Prozesshansel Gäfgen. Man mag nichts mehr von ihm hören, man mag sein Gesicht nicht mehr sehen.

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