Interview: „Problem wird nur verschoben“

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Stephan Allroggen

Offenbach - Verunsicherung in Hessen: Kassenpatienten müssen bis Jahresende damit rechnen, beim Zahnarzt abgewiesen zu werden. Stephan Allroggen, Vorsitzenden der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, gibt im Interview Antworten. Von Peter Schulte-Holtey

Wird es auch in Hessen Versorgungsengpässe für Versicherte bei einzelnen gesetzlichen Krankenkassen geben?

Die hessischen Zahnärzte nehmen ihren Versorgungsauftrag trotz knapper Mittel ernst. Das gilt insbesondere für Schmerzfälle und andere unaufschiebbare Behandlungen. Wenn sich erst kurz vor Jahresschluss herausstellt, dass eine Überschreitung des Budgets droht, können aufschiebbare Behandlungen wie etwa der Austausch einer Füllung in das nächste Jahr verlegt werden. Damit ist das Problem allerdings nur verschoben.

Die starren Budgets im zahnärztlichen Bereich werden von Verbandsvertretern immer wieder kritisiert. Haben Sie den Eindruck, dass die Forderungen bei Gesundheitspolitikern auf Unterstützung stoßen?

In zahlreichen Gesprächen mit der Politik haben wir meistens den Eindruck gewonnen, dass man unsere Kritik an der 1993 eingeführten Budgetierung durchaus teilt. Gleichwohl hat sich seitdem keine Bundesregierung, egal welcher Zusammensetzung, bemüht, sie wieder abzuschaffen. Ob dies vom amtierenden Bundesgesundheitsminister zu erwarten ist, der für 2011 strukturelle Überlegungen zur Gesundheitspolitik angekündigt hat, wird man sehen.

Was sollte sich (neben der umstrittenen Budget-Frage) unbedingt ändern, um eine gute zahnärztliche Versorgung sicherzustellen?

Moderne Zahnmedizin ist schon heute nicht mehr allein mit den Mitteln der Solidargemeinschaft zu finanzieren. Versorgungsansprüche der Patientinnen und Patienten und die mögliche Therapievielfalt in der zahnärztlichen Behandlung legen es nahe, hier den Anteil der gesetzlichen Krankenversicherung auf eine Grundversorgung zu beschränken. Dies ist jetzt schon bei der Versorgung mit Zahnersatz der Fall, für die von den Krankenkassen ein befundbezogener Festzuschuss gewährt wird. Dem Patienten steht dann Wahlmöglichkeiten für seine individuelle Lösung zur Verfügung, über die er sich mit seinem Behandler verständigen kann. Dies könnte ein Modell für die gesamte Zahnheilkunde sein.

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