Sucht im Alter

Kommentar: Probleme sind lösbar

Koma- oder Flatrate-Saufen - über den Alkoholmissbrauch von Jugendlichen diskutieren Politiker und Suchtforscher in Deutschland seit Jahren, ringen um brauchbare Therapien. Viel seltener wird leider hingesehen, wenn Senioren ein Suchtproblem haben. Von Peter Schulte-Holtey

Dabei ist zum Beispiel die Anzahl älterer Alkoholiker zuletzt erschreckend gestiegen.

Dass lange Zeit wenig über das Thema zu hören war, hat vielfältige Gründe. Oft schämen sich die Betroffenen und versuchen ihre Sucht geheim zu halten. Angehörige bagatellisieren häufig. „Lass Opa doch sein Schnäpschen“, heißt es dann. Viele glauben auch, dass sich ein Entzug im hohen Alter nicht mehr lohnt. Ein unmenschliches Denken, denn den Betroffenen wird Lebensqualität vorenthalten.

Experten betonen es jetzt noch einmal vehement: Suchtprobleme sind lösbar! Und es stimmt: Ältere Menschen profitieren mindestens genauso von einer Beratung oder Behandlung wie jüngere Menschen. Und durch den Verzicht auf Suchtmittel zeigen sich häufig schnelle Erfolge.

Handeln müssen jetzt aber auch die Verantwortlichen in der Altenpflege. Es gibt jede Menge Aufklärungsbedarf; weil Suchtmittelmissbrauch und Abhängigkeit im Alter oft aufgrund zahlreicher altersbedingter Beeinträchtigungen nicht erkannt werden, setzt die Suchtbehandlung vielfach zu spät ein.

Und oft wissen Betroffene und Angehörige auch gar nicht, an wen sie sich wenden können. Das führt dazu, dass immer noch - trotz stetig steigenden Bedarfs - nur wenig ältere Menschen angemessen Hilfe und Unterstützung erhalten. Zudem sollte die lautstarke Forderung vieler Fachleute im Land nach einer wesentlich engeren Zusammenarbeit von Suchthilfe, Altenheimen und anderen Senioren-Einrichtungen endlich gehört werden.

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