"Schämt Euch"-Rufe

Proteste gegen Ehrung von Grünen-Politiker Cohn-Bendit

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Vertreter eines Verbandes von Missbrauchsopfern und die Junge Union haben am Samstag gegen die Verleihung des Theodor-Heuss-Preises an den Grünen-Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit protestiert.

Stuttgart - Vertreter eines Verbandes von Missbrauchsopfern und die Junge Union haben am Samstag gegen die Verleihung des Theodor-Heuss-Preises an den Grünen-Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit protestiert.

Unter dem Protest von Missbrauchsopfern und Mitgliedern der Jungen Union ist der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit mit dem Theodor-Heuss-Preis ausgezeichnet worden. Die Kritiker wandten sich am Rande der Veranstaltung am Samstag in Stuttgart gegen frühere Äußerungen des Fraktionsvorsitzenden im Europaparlament über Intimitäten mit Kindern. Er selbst distanzierte sich in seiner Dankesrede von seinen Aussagen aus den 1970er und 1980er Jahren und betonte, er habe sich nie an Kindern vergriffen.

„Kritisiert mich für das, was ich geschrieben habe - bis zu meinem Tod, aber jagt mich nicht für etwas, was ich nicht getan habe“, sagte Cohn-Bendit. Seine damaligen Äußerungen - etwa über erotische Spiele mit Kindern - seien eine „unerträgliche Provokation“ und hätten „so nicht geschrieben werden dürfen“. Er ordnete sie ein in den historischen Kontext der 68er Bewegung, die von Tabu-Brüchen geprägt gewesen sei.

In seinem Grußwort warb Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) für Verzeihen, auch wenn die Äußerungen seines Parteifreundes „höchst prekär“ und „unakzeptabel“ seien: „Vergebung ist in der Demokratie elementar, es macht gerade ihre Stärke aus.“ Sie biete die Chance, wieder neu anfangen zu können. Die Demokratie habe auch ihm persönlich nach „linksradikalen Verirrungen meiner Studentenzeit“ die Chance auf einen Neuanfang gewährt, sagte der Regierungschef.

Die Protestierer hatten die Gäste der Veranstaltung zuvor mit „Schämt Euch“-Rufen empfangen. CDU und FDP des Landes, die von der Stiftung einen Verzicht auf die Auszeichnung verlangt hatten, boykottierten den Festakt.

dpa

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