Anschläge

Morde aus Rassismus in Deutschland: Ein Überblick über rechtsextreme Täter in der jüngeren Vergangenheit

+
Ein Mann mit Kippa steht vor der Synagoge in Halle. Bei einem Angriff sind zwei Menschen erschossen worden.

In Deutschland gab es Morde aus Rassismus. Ein Überblick über rechtsextreme Täter und Gruppierungen, die in der jüngeren Vergangenheit Menschen töteten.

  • In der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gab es immer wieder rechtsextreme Mordserien
  • Auch in der jüngeren Vergangenheit, wie jüngst in Hana u, wurden Menschen aus rassistischen Motiven erschossen
  • Ein Überblick über Morde mit rechtsradikalem Hintergrund

In Hanau hat ein 43-Jähriger zehn Menschen getötet. Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat der Täter aus Rassismus gehandelt. Man müsse aufgrund aufgefundener Materialien davon ausgehen, „dass es sich um einen rechtsradikalen, ausländerfeindlichen Hintergrund handelt“, sagte der CSU-Politiker. Der Anschlag war nicht der einzige in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland mit einem rechtsextremen Hintergrund. Ein Überblick.

Rassismus: Antisemitischer Mord an Rabbiner Shlomo Lewin und Frida Poeschke

Der deutsche Verleger und Rabbiner Shlomo Lewin wurde am 19. Dezember 1980 mit seiner Lebensgefährtin Frida Poeschke in ihrem Haus in Erlangen erschossen. Der Tatverdächtige Uwe Behrendt klingelte bei Lewin und schoss auf den Verleger und seine Lebensgefährtin. Drei Schüsse trafen Lewin in Brust, am Arm und in den Kopf. Nachdem Lewin zusammengebrochen war, schoss ihm Behrendt in den Kopf.

Auch Frida Poeschke wurde mit vier Schüssen ermordet. Behrendt war Mitglied der rechtsextremen „Wehrsportgruppe Hoffmann“. Da sich Behrendt im Jahr 1981 selbst getötet hatte, konnte er nicht verurteilt werden. Man vermutet, dass Behrendt aus Antisemitismus und Rassismus handelte.

Der rechtsextreme Täter Helmut Oxner: Mord aus Rassismus in einer Disco

Helmut Oxner war ein deutscher Neonazi, der am 24. Juni 1982 in Nürnberg drei Menschen erschoss und drei weitere verletzte. Unter den Todesopfern war der 24 Jahre alte amerikanische Staatsbürger William Schenck, der 27-Jährige amerikanische Sergeant Rufus Surles und der 21-jährige Ägypter Mohamed Ehap. Außerdem verletzte Oxner eine Koreanerin, einen Libyer und einen türkischen Kellner schwer. Daraufhin entwickelte sich eine Schießerei zwischen Oxner und Polizisten.

Dabei wurde Oxner von einem Polizisten an der Hüfte getroffen. Anschließend tötete sich Oxer mit Schüssen in Herz und Lunge selbst. Den Polizisten rief Oxner zuvor zu: „Ich schieße nur auf Türken“. Oxner hinterließ Aufkleber der NSDAP-Aufbauorganisation am Tatort. Auch hier war der Täter rechtsextrem und handelte aus Rassismus

Die Mordserie der NSU: Neun Menschen mit Migrationshintergrund starben

Innerhalb von sechs Jahren tötete die rechtsextreme Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund  (NSU) zwischen 2000 und 2006 neun Menschen mit Migrationshintergrund. Enver Şimşek wurde am 9. September 2000 in Nürnberg mit acht Schüssen aus zwei Pistolen niedergeschossen. Zwei Tage später starb Şimşek in einem Krankenhaus.

In der Nürnberger Südstadt wurde Abdurrahim Özüdoğru am 27. Juni 2001 mit zwei Kopfschüssen getötet. Özüdoğru kam 1972 aus der Türkei nach Deutschland. Laut Untersuchungen handelte es sich um die gleiche Mordwaffe, mit der Enver Şimşek erschossen wurde. Am 27. Juni 2001 erschoss der NSU Süleyman Taşköprü in Hamburg-Bahrenfeld. Die Täter gaben drei Schüsse aus zwei verschiedenen Waffen ab. Auch die hier verwendeten Pistolen konnten dem Mord an Süleyman Taşköprü zugeordnet werden.

NSU-Todes-Opfer: Sie hatten Migrationshintergrund, auch hier war es Rassismus

Habil Kılıç wurde am 29. August 2001 in München getötet. Auch Kılıç wurde erschossen. Im Gegensatz zu den vorherigen Taten fanden die Ermittler am Tatort keine Patronenhülsen. Auch Mehmet Turgut war Opfer eines rechtsradikalen Anschlages der NSU. Turgut wurde am 25. Februar 2004 in Rostock mit drei Kopfschüssen getötet. Auch Turgut kam aus der Türkei. Der NSU erschoss auch İsmail Yaşar in Nürnberg. Am 9. Juni 2005 wurde Yaşar mit fünf Schüssen in Kopf und Oberkörper getötet. Er war 50 Jahre alt und stammte aus Suruç.

Theodoros Boulgarides war Mitinhaber eines Schlüsseldienstes, den der Grieche am 1. Juni 2005 eröffnete. Zwei Wochen später wurde Boulgarides von NSU-Tätern erschossen. Mehmet Kubaşık hatte einen Kiosk in Dortmund, der sich nahe einem damaligen Treffpunkt der Neonazi-Szene befand. Am 4. April 2006 wurde Kubaşık in seinem Kiosk getötet. Am 6. April 2006 wurde Halit Yozgat, Betreiber eines Internetcafés, durch zwei Kopfschüsse in Kassel getötet. Yozgat war 21 Jahre alt. Auch der NSU handelte aus Rassismus

David S. tötete neun Menschen mit Migrationshintergrund

Der rechtsradikale 18-jährige Schüler David S. tötete am 22. Juli 2016 im Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) neun Menschen, fünf weitere verletzte er durch Schüsse. Sämtliche Todesopfer hatten einen Migrationshintergrund oder waren Sinti. Rund zweieinhalb Stunden nach dem Beginn des Anschlags stellte eine Polizeistreife den Täter, worauf sich David S. erschoss. David S. soll den Rechtsextremisten Anders Behring Breivik verehrt haben. 

Der Mordfall Walter Lübcke

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) wurde am 2. Juni 2019 in Istha bei Kassel vor seinem Wohnhaus mit einem Pistolenschuss in den Kopf getötet. am 15. Juni 2019 konnte der hessische Rechtsextremist Stephan E. festgenommen werden. 

E. gestand am 25. Juni die Tat, widerrief das Geständnis allerdings wieder am 2. Juli. Tatmotiv von Stephan E. waren Äußerungen Lübckes während der Flüchtlingskrise 2015. Damals setzte sich Lübcke für die Aufnahme geflüchteter Menschen ein. Anschließend hetzte Kagida (Kasseler Ableger der islamfeindlichen und rassistischen Pegida) gegen Lübcke, weshalb er Anfeindungen ausgesetzt war und Morddrohungen erhielt. 

Stephan Balliet wollte eine Synagoge in Halle stürmen

Am 9. Oktober 2019 erschoss der Rechtsextremist und mutmaßliche Täter Stephan Balliet eine Passantin vor einer Synagoge in Halle. Kurz darauf tötete Balliet den Gast eines Döner-Imbisses. Balliet wollte eigentlich in die Synagoge im Paulusviertel eindringen und dort Menschen jüdischen Glaubens töten. Da dieser Plan scheiterte, schoss Balliet auf Mensche, die ihm entgegenkamen. 

Zwei Polizisten konnten Balliet festnehmen. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen den geständigen Täter wegen zweifachen Mordes sowie versuchten Mordes in neun Fällen, auf ihren Antrag erließ der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof Haftbefehl. Der  Verdächtige glaubte nach Ermittlungen an eine jüdische Weltverschwörung und wollte wahllos Menschen in der Synagoge erschießen. 

mse

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare