Kommentar: Der Reiz des Andersseins

Sie hatten (und haben) kein festes Programm, hatten weder die Zeit noch den Ehrgeiz, einen klassischen Wahlkampf zu führen- und sitzen künftig doch im Saarbrücker Landtag.

Der Erfolg der Piratenpartei, eigentlich das bemerkenswerteste Ereignis des vergangenen Wahlsonntags, hat durchaus das Zeug, über den Tag und das Saarland hinaus nachzuwirken. Das gilt für die Hauptstadt Berlin wie ganz besonders für den politischen Standort Nordrhein-Westfalen, wo am 13. Mai ein neuer Landtag gewählt wird. Und dieser Nachhall dürfte in den Lagern aller etablierten Parteien mit einer Frage verbunden sein: Wer und was sind die - und was machen die anders?.

Fast alles. Endlose Transparenz als Credo, das Internet nicht als Nebenschauplatz, sondern als zentrale Begegnungs- und Austauschebene, skurrile Spitznamen und gelegentlich abseitige Diskussionsthemen - wer so abgedreht daher kommt, taugt doch nicht wirklich zur echten Konkurrenz für jene, die den Kampf um die Macht im Staate seit Jahr und Tag in wechselnden Konstellationen und Koalitionen unter sich ausgemacht haben. Oder doch?

Für 7,4 Prozent der Wähler an der Saar hat dieser rätselhafte Charme politischer Unfertigkeit gereicht, gemeinsam mit diesen Piraten aus der Reihe zu tanzen. Und darunter waren viele aus zwei Lagern, die den „Großen“ längst von der Fahne gegangen sind: Jung- und Nichtwähler. Die sind lockerer, die sind freier, die sind anders - das mag aus der Sicht seriöser Wahlforscher als politische Mitgift herzlich wenig sein. Und doch war schon dieses Anderssein genug, das Feld der kleinen Parteien im Saarland gehörig aufzumischen.

Der Reiz des Neuen, von dem die Piraten profitieren, taugt bestimmt nicht für die Ewigkeit - zumal die Partei noch nie in der Pflicht war, tragfähige und wegweisende Konzepte liefern zu müssen. Sie als Eintagsfliege abzutun, wäre dennoch leichtfertig. Nachzulesen am 14. Mai.

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