Kommentar: Rezept für Ärzte gesucht

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Peter Schulte-Holtey

Warten auf den Arzttermin und Warten in der Praxis: Kassenpatienten brauchen im medizinischen Alltag viel Geduld - im Gegensatz zu Privatpatienten. Diese Alltagsbeobachtung wird jetzt durch eine neue Studie bestätigt. Von Peter Schulte-Holtey

Natürlich ist die Ungleichbehandlung sehr ärgerlich. Wer jetzt ein neues Rezept gegen dieses ungerechte System fordert, sollte aber genau hingucken. Es hängt mit dem Gesundheitssystem zusammen. Während die meisten Kassenleistungen streng reglementiert sind, können die Mediziner mit individuellen Zusatzangeboten sowie beim Behandeln von Privatpatienten eine Menge Geld verdienen. Für Privatpatienten können sie oft mehr als doppelt so hohe Rechnungen stellen wie bei Mitgliedern von gesetzlichen Krankenkassen. Schätzungen zufolge erwirtschaften viele Ärzte 30 Prozent ihres Einkommens allein mit Privatpatienten - und das, obwohl sich nur zehn Prozent der Deutschen zu dieser privilegierten Gruppe zählen.

Mit anderen Worten: Eine Gesundheitspolitik , die Ärzten immer engere finanzielle Korsetts verpasst, darf sich nicht wundern, wenn die sich auf Patienten konzentrieren, deren Behandlung sich lohnt. Wer eine gerechtere Versorgung von Kassenpatienten will, muss Rezepte vorlegen, die aufzeigen, wie Ärzte angemessen bezahlt werden können.

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