Riesige Blamage

Eine riesige Blamage für die Polizei ist es allemal: Im Fall der „Frau ohne Gesicht“ sprach schon die mangelnde Plausibilität der Taten und der Tatorte für eine Einfach-Lösung. Dass das Schwerverbrechen des Polizistenmordes in Heilbronn und kleinkriminelle Taten aus der Kategorie „versuchter Einbruch in Dietzenbach“ zusammenpassen sollten, hatte schon lange Zweifel geweckt.

Dieser Fehler wirft kein gutes Licht auf die Ermittlungsarbeit der Polizei. Und wer an die spektakulären, bislang nicht aufgeklärten Verbrechen in der Region denkt, darf schon Fragen stellen: Ist vielleicht auch in diesen Fällen nicht sauber gearbeitet worden? Hat man sich ebenfalls in die Irre führen lassen?

In machen Altfällen könnte die Panne zumindest zu Wiederaufnahmeverfahren der Recherchen führen.

Der Laie fragt sich jetzt natürlich: Sind genetische Spuren noch verlässliche Beweise? Noch können wir den Experten vertrauen; die DNA-Analyse ist ein fantastisches Mittel der Verbrechensaufklärung. Dank genetischer Spuren hat man sehr viele Verbrecher überführen und Unschuldige entlasten können. Nur weil möglicherweise im Produktionsprozess von Wattestäbchen gepfuscht wurde, beeinträchtigt dies das Verfahren nicht prinzipiell.

Anderseits darf die Polizei sich nicht auf der vermeintlichen Sicherheit der Methode ausruhen. Es können ja zum Beispiel im Labor die Proben von zwei Verdächtigen vertauscht werden. Von Ermittlern muss mehr denn je kritisches Hinterfragen gefordert werden. Der Wert einer Spur bemisst sich immer noch nach der Gewissenhaftigkeit, mit der sie gesichert und bewertet wird.

peter.schulte-holtey@op-online.de

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