Konjunkturprognosen

Risiken bleiben ausgeblendet

Na, wenn das mal nicht gute Nachrichten sind: Der Aufschwung soll auch 2011 anhalten, die Zahl der Arbeitslosen weiter sinken. In die Reihe der frohen Botschafter zur Weihnachtszeit haben sich die Wirtschaftsforscher dieses Landes sicher nicht widerwillig eingereiht. Von Frank Pröse

Doch wie realistisch sind deren Schönwetter-Prognosen? Dabei geht es gar nicht um die Zahlen vorm oder hinterm Komma, je nachdem, ob es um die magische Zahl der ohnehin geschönten Arbeitslosenzahlen geht oder um die Steigerung des Bruttoinlandsproduktes, von der auch nicht alle etwas haben. Welche Dynamik der Konjunktur zugetraut wird, das soll ruhig ein Streit zwischen den Experten in ihren Elfenbeintürmen bleiben. Letztlich müssen sie sich ohnehin alle paar Wochen wieder korrigieren, weil sich wesentliche Einflüsse auf die Wirtschaft ständig ändern und Wirtschaftsforscher keine Hellseher sind.

In diesem Jahr aber überrascht der Schulterschluss der namhaften Ökonomen, die sich dem ersten Augenschein nach zur Gute-Laune-Runde verabredet haben. Nur zaghaft wird das drohende Unheil angesprochen, das vom schwächelnden Euro ausgeht. Dabei waren die bisherigen Reparaturmaßnahmen an der gemeinsamen Währung nicht gerade von Erfolg gekrönt. Schlimmer noch: Dass nach den Feiertagen massiv zulasten des Euro spekuliert werden könnte, diese Angst hat noch keine einzige der finanzpolitischen Maßnahmen vertreiben können. Schon diese Spekulationen könnten der Konjunktur schweren Schaden zufügen, allen dicken Auftragsbüchern zum Trotz. Wackelt der Euro gar, dann wird mit der Konsumneigung ein weiterer Konjunkturpfeiler brüchig. Das wissen auch die Wirtschaftswissenschaftler, sprechen die Gefahren aber aus unerfindlichen Gründen nicht offensiv an. In ihrer Euphorie lassen sie die Risiken beinahe gänzlich außer Acht. Ganz anders die deutschen Unternehmensführer, von denen 61 Prozent fürchten, dass die Schuldenkrise im Euroraum den Aufschwung in Gefahr bringen könnte.

Deutschland steht zwar momentan gut da, aber zugleich im Zentrum der Euro-Krise, die immer mehr Länder, ja vielleicht sogar Frankreich in den Abgrund reißen könnte. Da die Folgen des Bankenbebens, der überhitzten Immobilienmärkte und der ausufernden Staatsschulden längst nicht ausgestanden sind, kann es mit dem Aufschwung schnell vorbei sein. Angesichts dieser Gefahren sind die weich gespülten Wirtschaftsforscher-Prognosen rund um Prozentpunkte hinterm Komma unverantwortlich.

@ frank.proese@op-online.de

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