Schaden begrenzen

Die Sprossen-Spur wird vehement weiter verfolgt. Gurke, Tomate und Blattsalat könnten wieder unbesorgt gegessen werden und anderes Gemüse ebenfalls, versuchen Experten und Politiker die Wogen zu glätten. Ist also alles gut? Sicherlich nicht.

So warnt Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bereits vor weiteren EHEC-Ausbrüchen in Deutschland. „Wir müssen zum Beispiel davon ausgehen, dass dieser neue Keim nicht einfach verschwindet. Sondern der wird mit uns sein“, sagte er. Der aktuelle Fall zeige: In der Zukunft müsse man mit neuen gefährlichen EHEC-Stämmen rechnen.

Zudem ist die Quelle weiterhin unklar. Es bleibt offen, wie die Bakterien an die Sprossen kamen. Bei einer These geht es um Mitarbeiter des Biohofs, die mit EHEC infiziert sind. Sie sollen - wie vermutlich andere Patienten - Sprossen des Hofs gegessen und sich angesteckt haben. Denkbar ist auch, dass die Frauen aufgrund einer anderen Quelle zu EHEC-Trägern wurden. Die Gefahr könnte auch aus dem Ausland kommen. Denn das Saatgut, mit dem der Gartenbaubetrieb züchtet, stammt nach Angaben von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann aus vielen Ländern weltweit.

Die Frage, die derzeit besonders oft diskutiert wird: Wenn schon die Verseuchung relativ selten verzehrter Salatsprossen solche Kreise zieht: Was wäre passiert bei einem Produkt, das in weit größerem Ausmaß bei uns konsumiert wird? Eine vorläufige Antwort kann nur lauten: Die Anstrengungen für mehr Hygiene im persönlichen wie produzierenden Bereich müssen verstärkt werden. Gründliches Waschen von Obst und Gemüse sollten selbstverständlich werden, dies verringert die Infektionsgefahr entscheidend. Das wenigstens hat auch in der globalisierten Welt der Lebensmittel jeder selbst in der Hand. Und eine präzisere Dokumentation von Lieferketten bei Lebensmitteln ist ebenfalls von wachsender Bedeutung, wie sich gezeigt hat. Damit kann der Schaden begrenzt werden.

peter.schulte-holtey@op-online.de

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